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Einfache Sprache – und die stille Kunst der Verblödung

Im Deutschlandfunk diskutierten in der Sendung „Streitkultur“ die Oberstudienrätin a.D. Christine-Sauerbaum-Thieme und der Journalist Uwe Roth über das Thema „Texte in einfacher Sprache“. Roth wies eingangs darauf hin, dass man zwischen der „leichten Sprache“ und der „einfachen Sprache“ unterscheiden müsse. Die leichte Sprache richtet sich schwerpunktmäßig an Menschen mit kognitiven Einschränkungen, die also ohnehin Schwierigkeiten haben, sich sprachlich auszudrücken und Gesprochenes inhaltlich zu verstehen. Demgegenüber ist die sogenannte einfache Sprache zu verstehen, die entwickelt wurde, um Technische Sachverhalte verständlich darzustellen. Dafür gibt es in der jüngeren Zeit sogar einen Normierungsversuch in der DIN 8581-1, in der Grundsätze für die sogenannte einfache Sprache festgelegt worden sind.

Eine Recherche, für die der CoPilot von Microsoft verwendet wurde, zeigte, dass der Ursprung für die sogenannte einfache Sprache aus den USA kommt. Die Organisation People First hatte sich zum Ziel gesetzt, die Texte für Menschen mit Lernschwierigkeiten zugänglich zu machen. Eine frühere Entwicklung gab es bereits ab 1968 in Schweden. Dort erschien die erste Zeitung in einfacher Sprache im Jahr 1984.

In Deutschland gründete sich 1997 ein erstes Netzwerk von Menschen mit Lernschwierigkeiten. 2001 erfolgte die Gründung von Mensch zuerst – Netzwerk People First e.V. und 2006 wurde das Netzwerk Leichte Sprache ins Leben gerufen. Seit 2009 gibt es ein europaweites Regelwerk durch Inclusion Europe.

Grundsätzlich gibt es gute Gründe zu überlegen, wie auch Menschen mit minderen kognitiven Fähigkeiten in die Lage versetzt werden können, an dem öffentlichen Geschehen teilzunehmen. Das ist nur dann vollumfänglich möglich, wenn diese Menschen verstehen, was gesagt und gesprochen wird und vor allen Dingen, welche Themen in der Gesellschaft diskutiert werden. Hier handelt es sich um die eigentliche Inklusion. Früher hatte man sich darüber keine Gedanken gemacht, weil man dann eben davon ausging, dass nicht alle Menschen alles verstehen müssen.

Wenn jetzt aktuell jedoch diese Gedanken dazu verwendet werden, jungen Menschen, denen man keine kognitive Minderung unterstellen kann, durch den Einsatz einer einfachen Sprache das Lesen komplexer Texte zu erleichtern, dann ist dies im Grunde genommen eine Perversion des guten Gedankens der Inklusion.

Es gibt eine gut gemeinte Idee, die sich gerade mit erstaunlicher Geschwindigkeit durch Schulen, Behörden und Kulturinstitutionen frisst: Alles soll „einfach“ werden. Einfache Sprache, einfache Sätze, einfache Inhalte. Und weil die Jugend angeblich „keine Lust“ mehr auf komplexe Texte hat, sollen nun sogar Klassiker in sprachlich abgespeckten Versionen erscheinen – Goethe ohne Goethe, Kafka ohne Kafka, Thomas Mann ohne Thomas Mann. Wenn alles einfach sein muss, wird am Ende auch das Denken einfach. Und einfaches Denken ist nicht harmlos – es ist manipulierbar.

Man verkauft das als Inklusion. Als Modernisierung. Als pädagogische Notwendigkeit. Doch der Preis ist hoch: Wer die Sprache vereinfacht, vereinfacht zwangsläufig auch das Denken.

Die entscheidende Frage lautet: Passiert das aus Hilflosigkeit – oder aus Kalkül?

Denn während der große Rest der Bevölkerung mit sprachlichen Light-Produkten abgespeist wird, bleibt eine kleine Minderheit weiterhin in der Lage, komplexe Texte zu lesen, politische Zusammenhänge zu verstehen, historische Entwicklungen einzuordnen. Diese Minderheit wird dann zur „Elite“, nicht weil sie klüger wäre, sondern weil man den anderen systematisch die Werkzeuge des Denkens aus der Hand nimmt.

Hier scheint sich eine große gesellschaftliche Gefahr zu entwickeln, weil diejenigen, die nicht mehr differenziert denken können, weil man ihnen dies nicht gelernt hatte, die zukünftigen Menschen sind, die keinen Einfluss mehr auf die gesellschaftliche Entwicklung „mangels geistiger Masse“ nehmen können.

Sprache ist kein Luxus. Sie ist ein Machtinstrument. Wer sie beherrscht, kann die Welt deuten. Wer sie verliert, muss glauben, was andere ihm erzählen.

Natürlich sollen Menschen mit Behinderungen oder Lernschwierigkeiten Zugang zu Informationen haben – das ist unbestritten. Aber wenn „Einfache Sprache“ zur neuen Norm wird, wenn sie nicht mehr als Brücke dient, sondern als Ersatz, dann entsteht ein gefährlicher Nebeneffekt: Die Gesellschaft wird geistig nivelliert. Nach unten.

Und genau das öffnet die Tür für eine stille, aber wirksame Form der Entmündigung. Eine Bevölkerung, die komplexe Texte nicht mehr gewohnt ist, wird auch komplexe politische Entscheidungen nicht mehr hinterfragen. Sie wird sich mit Schlagworten zufriedengeben. Mit Parolen. Mit „einfachen Lösungen“.

Die Frage ist also nicht, ob wir Klassiker in einfacher Sprache lesen können. Die Frage ist, ob wir uns leisten können, sie nicht mehr im Original zu lesen.

Wer die Sprache vereinfacht, vereinfacht die Bürger. Und wer die Bürger vereinfacht, macht sie lenkbar.


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Ein Blick auf die Stimmung der deutschen Bevölkerung

Im Rahmen des Elbhangfestes in Dresden war auch der Verein Deutsche Sprache mit seiner Regionalgruppe Dresden mit einem Stand beteiligt. Der Verein Deutsche Sprache setzt sich für die Erhaltung der deutschen Sprache ein und wendet sich insbesondere gegen eine staatlich angeordnete Sprachform, die nicht nur die Sprache in ihrer Qualität zerstört und teilweise dafür sorgt, dass eine klare und präzise Beschreibung von Sachverhalten unmöglich gemacht wird. Es geht aber auch darum, dass durch Eingriffe einer kleinen, sich elitär gebenden Minderheit in die deutsche Sprache, diese so deformiert wird, dass sie die identitätsstiftende Funktion, die eine Muttersprache für ein Volk ausübt, nicht mehr erfüllen kann.

Jede Sprache verändert sich im Laufe der Zeit und passt sich an die jeweilige gesellschaftliche Entwicklung an. Das ist ein normaler Vorgang, der hier auch in keiner Weise angegriffen werden soll. Anderseits ist es aber unzulässig, wenn eine synthetische Struktur auf eine Sprache aufgesetzt wird, die mit dieser natürlichen Veränderung einer Sprache nichts zu tun hat. Eine solche synthetische Sprachkonstruktion spiegelt in keiner Weise die Gefühle und Befindlichkeiten eines Sprachvolkes wider und kann entweder auf Unverständnis und/oder Gleichgültigkeit oder auf Ablehnung stoßen, aber auch Wut und Aggressionen hervorrufen.

Man sollte einmal darüber nachdanken, dass die Sprache eines Volkes eines der wenigen Dinge ist, die dem Volk und nur dem Volk und keiner Regierung und keinem Konzern gehören. Die Sprache nennt man nicht ohne Grund Muttersprache, weil sie von Generation zu Generation regelrecht vererbt wird. Die Sprache ist eines der wenigen Dinge, die man einer Person nicht nehmen kann. Sie ist der Rest von dem, was man Heimat und zu Hause nennt.

Wenn jetzt der Staat oder eine kleine Gruppe von selbsternannten Sprachgestaltern meint, hier gegen den Willen der Bürger eingreifen zu können und die Sprache für eine ideologische Transformation der Gesellschaft zu einer nicht mehr identifizierbaren Multi-Kulti-Queeren Gesellschaftsform zu missbrauchen, dann braucht er nicht überrascht zu sein, wenn sich massiver Widerstand entwickelt, der auch zu Formen einer revolutionären Entwicklung führen kann.

Wie sehr sich der Unmut über die Sprachentwicklung in großen Teilen der Bevölkerung verbreitet hat, konnte man in die vielen Gesprächen auf dem Informationsstand in Dresden wahrnehmen. Besonders überraschend war die hohe Besucherfrequenz und die sehr interessanten und kritischen Gespräche mit den Standbesuchern. Viele Besucher brachten ihren Unmut zum Ausdruck, dass sie mehr oder weniger gezwungen werden, eine Sprache zu sprechen, die sie gar nicht sprechen wollen.

Es wurde aber auch erkennbar, dass viele gar nicht wissen, dass die Gender-Sprechweise keinesfalls nur eine äußerliche Form einer sprachlichen Verunstaltung darstellt, sondern einen sehr tiefen ideologischen Hintergrund hat. Die Ursprünge dieser Sprechform ist in der sogenannten Identitätstheorie der amerikanischen Soziologin Butler und andere zurückzuführen. Dabei geht es darum, dass eine fundamentale Veränderung des Denkens erreicht werden soll. Die Identitätstheorie geht im Wesentlichen auf die politische Philosophie von Jean-Jacques Rousseau (1712–1778) zurück. Sie wurde von Butler u. a. aufgegriffen und fortentwickelt. Nach der Auffassung von Butler gibt es – verkürzt formuliert – kein biologisches Geschlecht. In der Auswirkung bedeutet das die Auflösung aller bisher tradierten Strukturen und das Ende einer persönlichen Identität.

In den Gesprächen mit den Besuchern wurde immer wieder die Sorge, ja schon die Angst erkennbar, dass befürchtet wird, dass die politische Entwicklung in Deutschland in zunehmenden Maße dazu führt, nicht nur die Identität des Einzelnen aufzuheben, wobei die Veränderung der Sprache ein sehr wichtiger Parameter dafür ist, auch die Identität der Bevölkerung Deutschlands wird zunehmend infrage gestellt, wenn nicht sogar aufgelöst. Ein Gesprächsteilnehmer berichtete über deutschen Firmen, in denen bereits Englisch die Unternehmenssprache sei. Das ist gar keine Ausnahme mehr, da auch ehemalige (de jure mag Daimler noch in Deutschland registriert zu sein, faktisch wird ein großer Teil der Produktion nicht mehr in Deutschland abgewickelt) deutsche Firmen wie Daimler-Benz, Englisch zur Unternehmenssprache erklärt haben. Mehrere Hochschullehrer, die sich an den Gesprächen beteiligten, wiesen darauf hin, dass jetzt die den Bürger aufgezwungene Sprechweise dazu führt, dass Deutsch als Wissenschaftssprache unbrauchbar wird. Allerdings wiesen andere darauf hin, dass Deutsch als Wissenschaftssprache schon lange faktisch abgeschafft worden sei.

Natürlich kann man bei den vielen Gesprächen an einem Informationsstand eines Vereins, der sich für die deutsche Sprache einsetzt, nicht davon ausgehen, dass durch die Meinungsäußerungen der Gesprächsteilnehmer eine Stimmung zum Ausdruck gebracht wurde, die man generalisieren könnte. Allerdings war es doch bemerkenswert und auch erschreckend, welche Sorge und Ängste viele dieser Gesprächsteilnehmer umtreibt. Es wurde immer wieder die Frage gestellt, was man gegen eine Entwicklung unternehmen könne, die sich scheinbar als Allgemeinauffassung durchzusetzen scheint, ohne dass erkennbar ist, welche Kräfte hier die Vorgaben machen. Die immer wieder geäußerte Resignation, wonach man ohnehin nichts machen könne, ist keine Lösung. Vielmehr kann jeder Einzelne für sich darauf achten, nicht den Sprachmüll der Sprach-Verunstalter zu übernehmen, dort wo es möglich ist, darauf zu bestehen, Schriftsätze mit korrektem Deutsch zu verlangen und ansonsten auch durch Demonstrationen und Petitionen darauf hinweisen, dass man mit dieser Sprachentwicklung nicht einverstanden ist.

Der Verein Deutsche Sprache trägt durch öffentlichkeitwirksame Auftritte, wie es ein Informationsstand auf dem Elbhangfest in Dresden ist, dazu bei, dass die Öffentlichkeit über die Fehlentwicklungen der deutschen Sprache zumindest aufmerksam gemacht wird. Erst das Erkennen eines Problems führt dazu, das eine Problemlösung möglich ist.

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Festveranstaltung anlässlich des Tages der deutschen Sprache, Regionalgruppe Dresden

Der Verein Deutsche Sprache e.V. Regionalgruppe Dresdenlädt anlässlich des

Tages der deutschen Sprache zu einer

Festveranstaltung am 14.09.2021 – 19.00 Uhr

 Pianosalon im Coselpalais Dresden

An der Frauenkirche 12, 1. Etage

 ein.

 Die Festveranstaltung steht unter dem Thema

 ICH verstehe DICH schlecht

 oder

 „Was ich Dir schon immer verschweigen wollte“.

 Ahmad Mesgarha (Staatschauspiel Dresden) wird zusammen mit Olga Nowikwa Balladen, Texte und Lieder ohne Flieder vortragen.

Anmeldungen sind per eMail vds@001328.de oder per Telefon (0351)4970413 möglich.

 

Der VDS möchte die Menschen in Deutschland an den Wert und die Schönheit ihrer Muttersprache erinnern. Denn Sprache ist Heimat.

 

Die deutsche Sprache als wertvolles Kulturgut zu erhalten, ist das Hauptziel des VDS. Weltweit engagieren sich hierfür über 40.000 Mitglieder. Er finanziert sich über Spenden und Mitgliedsbeiträge.

 

Prominente Unterstützer des VDS sind unter vielen anderen Dieter Hallervorden, Bastian Sick, Edda Moser oder Friedrich Wilhelm Junge.

 


Was tun wir für die deutsche Sprache? (Internetseite www.vds-ev.de)

Der gemeinnützige Verein Deutsche Sprache e. V. fördert Deutsch als eigenständige Kultursprache. Wir wirken zusammen mit Sprachfreunden in Deutschland und mit Muttersprachlern im Ausland; wir sind ein weltweit tätiger Verband, der für das Ansehen der deutschen Sprache wirbt. Der VDS

  • veröffentlicht Artikel und Beiträge zur deutschen Sprache, leitet und unterstützt Buchprojekte.
  • bietet Begegnungsmöglichkeiten zu Freunden der deutschen Sprache in aller Welt.
  • vermittelt Referenten zu Themen, die die deutsche Sprache betreffen.
  • lädt Sprachfreunde ein, sich auf ganz unterschiedliche Weise mit der deutschen Sprache zu beschäftigen: in Arbeitsgruppen, auf Kulturveranstaltungen, bei öffentlichkeitswirksamen Unternehmungen (z.B. Infostände, Unterschriftensammlungen, Leserbriefe).
  • hilft bei der Vermittlung von Fördermitteln für Vorhaben.
  • organisiert und finanziert Kulturveranstaltungen (z.B. Lesungen und Vorträge) rund um die deutsche Sprache und ihre Dialekte.
  • verleiht Preise an Personen und Einrichtungen, die sich um die deutsche Sprache verdient gemacht haben.
  • vermittelt Stipendien.
  • steht dafür, dass wir uns für die deutsche Sprache einsetzen können, ohne deutschtümelnde oder nationalistische Ziele zu verfolgen. Der VDS ist überparteilich; zu seinen Mitgliedern gehören Vertreter aus allen Parteien im Deutschen Bundestag.
  • wirbt für die deutsche Sprache an den richtigen Stellen in der Politik, in den Medien, in der Wissenschaft.