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Fremde Gedanken als die eigenen auszugeben zeigt, dass Moral keinen Stellenwert mehr hat

Der Kreis derjenigen, die offenbar nicht verstanden haben, was es bedeutet, ihren Lesern Texte vorzusetzen, die sie selbst gar nicht geschrieben haben, wird immer größer.

Was ist das für eine moralische Haltung, wenn Politiker ihre Reden und Gastbeiträge vollständig von anderen schreiben lassen und dabei den Eindruck erwecken, es handele sich um ihr eigenes geistiges Produkt? Was soll der Bürger noch glauben, wenn er nun erkennt, dass vieles lediglich das Ergebnis eines großen Computers ist, der aus unzähligen Worten anderer etwas „zusammengebaut“ hat? Das kann dazu führen, dass jegliche Glaubwürdigkeit schwindet. Viele Leser werden sich betrogen fühlen und bestimmte Journalisten künftig nicht mehr ernst nehmen.

Nun wird mancher aktuell die Probleme bei der KI suchen. Doch es ist nicht die KI, die betrügt — sie ist lediglich ein Werkzeug, das man nutzen kann oder auch nicht. Verwerflich ist allein, wenn man sich mit fremden Federn schmückt. Das ist eine Frage moralischen Handelns. Und genau darin liegt die eigentliche Tragik: Die Moral scheint bei vielen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens nicht mehr besonders hoch im Kurs zu stehen.

Denn nichts anderes ist es, wenn jemand so tut, als habe er selbst gedacht, obwohl die Gedanken gar nicht von ihm stammen. Spätestens mit dem Ende der Schulzeit sollte dieses Pennäler‑Verhalten — auch ich habe früher in der Schule manchmal „Spickzettel“ benutzt und bin damit oft hereingefallen — bei Akademikern keine Methode mehr sein.

Die Wahrheit ist sehr einfach: Nicht die KI täuscht – der Mensch täuscht. Nicht die KI verschweigt – der Mensch verschweigt. Nicht die KI entscheidet – der Mensch entscheidet.

Vielleicht ist es sogar gut, dass diese Praktiken nun öffentlich geworden sind. Es bleibt zu hoffen, dass man sich wieder stärker an ethischen und moralischen Grundsätzen orientiert. Dazu gehört, klar zu erkennen zu geben, ob man selbst gedacht hat oder ob man lediglich die Gedanken anderer zu seelenlosen Wortansammlungen zusammenstellt. Denn nichts anderes ist es, wenn angebliche Meinungen nur aus dem Computer stammen.

Wenn hier nicht sehr schnell wieder Seriosität Einzug hält, wird man auch Spitzenjournalisten nichts mehr glauben. Bei Politikern ist dieser Vertrauensverlust bereits weit verbreitet — hoffen wir, dass wenigstens die Journalisten noch „die Kurve“ bekommen.

 


Von Bornemann

Dipl.- Sozialarbeiter
Mitglied im Verband Deutscher Pressejournalisten
Studium Sozialarbeit
AKAD Management-Fernstudium
Ergänzungsstudium Wirtschaftsphilosphie

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