Ein Kommentar
Der Anschlag eines jungen Mannes, der sich dem radikalen Islam verschrieben hatte und mit einem gemieteten Fahrzeug in eine Menschenmenge fuhr, dabei eine Frau tötete und mehrere Personen schwer verletzte, sollte zu grundsätzlichen Überlegungen führen. Auffällig ist, dass verschiedene Konfliktfelder, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben, immer wieder zu einem Gesamtkonglomerat vermengt werden, sodass der notwendige klare Blick zunehmend vernebelt wird.
Immer wieder werden Probleme vermischt, die nicht zusammengehören. Es geht um:
- islamistische Gewalt
- Islamismus als Ideologie
- kulturelle Konflikte / Kampf der Kulturen
- Diskriminierung von LGBTQ-Personen
Wie üblich äußern Politiker Betroffenheit; der Bundeskanzler und der Bundespräsident sprechen von „Zusammenhalt“. Doch alles driftet in eine parteipolitisch gefärbte Phraseologie ab. Nicht fehlen darf der Hinweis, dass „alles der AfD nütze“ – eine Formulierung, die unterschwellig die Assoziation erzeugt, die AfD sei womöglich sogar an allem schuld.
Was damit vermieden wird, ist die sachliche Frage, warum unser Land zunehmend in solche Entwicklungen gerät und ob dies nicht auch mit einem unkontrollierten Zuzug von Menschen aus anderen Kulturkreisen zusammenhängen könnte.
Am konkreten Beispiel zeigt sich ein weiteres Phänomen: Die staatliche Zugehörigkeit einer Person sagt wenig über ihre kulturelle Prägung aus. Ein Kind islamischer Eltern bleibt kulturell mit dieser Herkunft verbunden – unabhängig davon, in welchem Land es geboren wurde. Im aktuellen Fall war der Täter formal Deutscher, aber seine familiäre Herkunft lag in einem anderen Kulturkreis.
Die Diskussion wird weiter vernebelt, indem kulturelle Unterschiede zwischen Christentum und Islam mit LGBTQ-Themen vermengt werden. Beide Bereiche sind hochsensibel, aber sie haben nichts miteinander zu tun. Der Islam hat ein anderes Familienbild und lehnt bestimmte sexuelle Verhaltensweisen ab; radikale Strömungen bekämpfen Homosexualität aktiv. Ähnliche Muster finden sich auch in Teilen Afrikas – darüber wird kaum gesprochen, weil diese Gruppen hier kaum präsent sind.
Der Vorfall in Berlin scheint nur scheinbar ein Problem einer sexuellen Minderheit zu sein. Das Bekennervideo zeigt, dass der Täter nicht nur LGBTQ-Personen im Visier hatte, sondern alle „Ungläubigen“. Der Fokus auf LGBTQ-Personen verschleiert das eigentliche Problem.
Wichtig wäre eine wissenschaftliche Untersuchung der verschiedenen Strömungen des Islams – ohne parteipolitische Brille. Ist der Islam mit den Grundsätzen eines christlich geprägten Europas kompatibel? Das Christentum hat durch Aufklärung und Moderne eine Wandlung durchlaufen; für große Teile des Islams gilt dies nicht.
Die eigentliche Frage lautet: Inwieweit führen Vermischungen unterschiedlicher Kulturkreise zu den Problemen, die wir heute in Deutschland und anderen europäischen Ländern erleben? Die Kirchen müssten sich fragen, ob sie überhaupt noch ein gesellschaftlicher Faktor sind, der auf Augenhöhe mit dem Islam in einen friedlichen Dialog treten kann. Wenn wir keine eigenen Inhalte mehr vertreten, ist es gleichgültig, ob wir ein islamisches Land werden.
Eines aber sollte bedacht werden: Die LGBTQ-Menschen wären die ersten, die unter einer solchen Entwicklung existenziell leiden würden. Und das wären Probleme, die man niemandem wünschen sollte.