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Illner hat noch immer nicht begriffen, dass man nicht über, sondern mit der AfD sprechen muss

Wieder einmal wurde in einer Sendung von Maybrit Illner ausführlich über die AfD gesprochen – aber nicht mit ihr. Und wieder einmal bewies Illner, dass man sich fragen muss, ob es guter Journalismus ist, wenn man vor „dem Teufel“ eine solche Angst hat, dass man ihn wie ein Kleinkind einfach nicht wahrnimmt und glaubt, die Gefahr sei damit gebannt.

Neben dem Dauergast Armin Laschet waren diesmal der baden‑württembergische Ministerpräsident Cem Özdemir, die Rechtswissenschaftlerin Frauke Rostalski, Sabine Rennefanz und Robin Alexander in der Runde.

Um es vorab zu sagen: Es gab zeitweise sehr interessante Gedankenansätze – allerdings ausschließlich von Frauke Rostalski. Die Rechtsprofessorin trug ihre Argumente in einer angenehm sachlichen Weise vor, ohne den arroganten Anstrich mancher Wissenschaftler, die ihren Zuschauern gern vermitteln, wie unwissend sie seien. Rostalski machte deutlich, dass es einer der größten Fehler der etablierten Machteliten gewesen ist, die AfD krampfhaft aus dem politischen Diskurs herauszuhalten. Wenn es in einer Gesellschaft nicht mehr möglich ist, einen kontroversen Diskurs wenigstens auf fachlicher Ebene zu führen, dann befindet sich diese Gesellschaft in einer Versteinerung – und letztlich in einer Sackgasse.

Als Zuschauer hätte man dieser Diskutantin am liebsten zugerufen: Sagen Sie das einmal der Moderatorin! Denn auch Illner hat bisher alles getan, einen echten Diskurs mit dem politischen Gegner zu verhindern.

Bemerkenswert waren auch die Beiträge von Laschet und Özdemir – wenn auch mit deutlichen Unterschieden. Laschet stellte die Lage seiner Partei, in die der Parteivorsitzende und Bundeskanzler sie gebracht hat, bemerkenswert ungeschminkt dar. Wahrscheinlich hat Laschet derzeit eine komfortable Stellung: Als Vorsitzender der Konrad‑Adenauer‑Stiftung ist er nicht mehr in den Niederungen der politischen Auseinandersetzung verstrickt und kann frei sprechen, ohne seine berufliche Situation zu gefährden. Das ist ja auch ein Grund, warum kaum noch ein offener Diskurs unter Politikern geführt wird: Sie sind so abhängig von ihrer jeweiligen Partei, dass sie genau überlegen müssen, was sie öffentlich sagen können, ohne negative Rückkoppelungen zu riskieren.

Unter diesen Aspekten war es verwunderlich, mit welcher staatstragenden Attitüde Özdemir auftrat. Mit wohlgesetzten Worten entschuldigte er sogar den Bundeskanzler und wies darauf hin, dass Merz nicht nur die Person Friedrich Merz sei, sondern der Bundeskanzler Deutschlands. Warum Özdemir noch immer so spricht – er befindet sich doch gar nicht mehr im Wahlkampf – und warum er sich von seiner eigenen Partei so weit entfernt, blieb unklar.

Zentrale Aussage der Sendung war erneut die sogenannte Brandmauer. Rostalski brachte sehr deutlich zum Ausdruck, dass diese Brandmauer der Demokratie nicht gedient hat. Sie negiert den Willen von Millionen Wählern, die sich nicht ernstgenommen fühlen müssen, wenn sie bemerken, dass die von ihnen gewählte Partei aus allen politischen Entscheidungen herausgehalten wird.

Völlig unerklärlich argumentierte Robin Alexander, bei dem man den Eindruck hatte, er wolle die Funktion eines CDU‑Parteisprechers übernehmen. Auf die begründete Kritik Rostalskis, dass die Bürger zunehmend fragen, warum Deutschland Milliarden Euro in die Ukraine schickt, obwohl im eigenen Land die Gelder fehlen, reagierte Alexander regelrecht ungehalten. Den von Rostalski genannten Betrag von rund 100 Milliarden Euro wies er zurück und erweckte den Eindruck, als habe Deutschland nur einen Bruchteil zugesagt. Geradezu abenteuerlich war seine Argumentation, die Aufwendungen seien aus dem Sondervermögen (Damit sind es Schulden) – und deshalb entstünde den Bürgern kein Nachteil.

Doch laut Bundesregierung (Stand 30.06.2026) wurden 43,3 Milliarden Euro zivile und 57,6 Milliarden Euro militärische Unterstützung bereitgestellt. Zusätzlich hat die EU 90 Milliarden Euro als Darlehen überwiesen – ein Darlehen, das die Ukraine realistischerweise niemals zurückzahlen können wird. Damit wird auch Deutschland einen erheblichen Teil dieser Summe aus Haushaltsmitteln tragen müssen.

Als Ergebnis dieser Illner‑Sendung konnte man wieder einmal feststellen, dass die Probleme stets ohne diejenigen besprochen werden, die nicht eingeladen sind. Die Auswahl der Gesprächsteilnehmer ist regelmäßig so gestaltet, dass in der Runde ein großes Einvernehmen herrscht. Erfolgt einmal ein Beitrag, der aus dem Rahmen fällt, sorgt die Mehrheit der Runde dafür, dass diese Meinung relativiert wird – oder die Sendung ist „aus Zeitgründen“ beendet.

Einen besonderen Erkenntnisgewinn, wie ihn Maybrit Illner gern verspricht, lässt sich mit dieser Methode nicht erkennen.

Von Bornemann

Dipl.- Sozialarbeiter
Mitglied im Verband Deutscher Pressejournalisten
Studium Sozialarbeit
AKAD Management-Fernstudium
Ergänzungsstudium Wirtschaftsphilosphie

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