Verantwortungsvolle Politik muss sich irgendwann der Realität stellen. Wenn die Aussicht auf einen militärischen Sieg immer geringer wird, während die Zahl der Toten weiter steigt, darf die Frage nach Verhandlungen nicht länger tabu sein.
Über Jahre wurde den Bürgern im Westen vermittelt, die Ukraine könne den Krieg gegen Russland gewinnen. Heute mehren sich dagegen die Anzeichen, dass sich die militärische und politische Lage deutlich schwieriger entwickelt als ursprünglich erwartet. Gleichzeitig wächst in vielen europäischen Staaten die Bereitschaft, über Verhandlungslösungen nachzudenken.
Besonders fragwürdig erscheinen vor diesem Hintergrund politische Beteuerungen, die enormen finanziellen Hilfen für die Ukraine hätten keinerlei Auswirkungen auf die Handlungsmöglichkeiten im eigenen Land. Geld kann nur einmal ausgegeben werden. Wer Milliarden im Ausland einsetzt, kann dieselben Mittel nicht gleichzeitig für Infrastruktur, Bildung oder soziale Aufgaben im Inland verwenden.
Spätestens jetzt ist deshalb eine ehrliche Debatte notwendig. Nicht die Frage, wer recht behalten soll, sondern wie weiteres Sterben verhindert werden kann, muss im Mittelpunkt stehen. Sollte noch ein tragfähiger Kompromiss möglich sein, wäre dies vermutlich für alle Beteiligten besser als ein langwieriger Abnutzungskrieg mit immer höheren menschlichen und wirtschaftlichen Kosten.