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Wie die Demokratie durch Kampagnen ausgehöhlt und der Bürger verdummt wird

Wer sind wir? „Taktisch Wählen 2026“ ist eine überparteiliche Kampagne von jungen Menschen aus Sachsen-Anhalt und dem Team hinter den Taktisch-Wählen-Kampagnen 2024 — ergänzt durch neue Mitstreiterinnen und Mitstreiter und lokale Stimmen. In ihrem Team seien Menschen aus verschiedenen demokratischen Parteien engagiert, aber auch viele ohne Parteibindung. Ziel sei es, überparteilich die „beste Entscheidung für die Demokratie“ zu unterstützen und zu verhindern, dass Stimmen durch die Fünf-Prozent-Hürde wirkungslos bleiben. Alle demokratischen Parteien, die zur „Brandmauer“ stehen, würden nach denselben Maßstäben behandelt.

So wird den Bürgern erzählt, dass junge Menschen überparteilich und aus Sorge um die Demokratie für diese eintreten.

Macht man sich jedoch die Mühe, hinter die Kulissen zu schauen und sich die Frage zu beantworten, wer denn die „jungen Menschen aus Sachsen-Anhalt“ sind, stellt man fest, dass diese jungen Menschen in Wahrheit eine generalstabsmäßig organisierte Kampagnenfirma sind: die GOODFORCES GmbH, eingetragen im Handelsregister Berlin unter HRB 266223.

Natürlich ist es nicht angreifbar, eine Firma zu gründen. Bedenklich wird es jedoch, wenn aus dem Hintergrund gezielt in den politischen Willensbildungsprozess eingegriffen wird und die sogenannte „Überparteilichkeit“ darin besteht, die Bürger zu motivieren, so zu wählen, dass Parteien wie die Grünen oder die SPD an der Macht bleiben können. Nichts anderes verbirgt sich hinter dem sogenannten „taktischen Wählen“.

Man versucht die Bürger dahingehend zu beeinflussen, dass sie sich nicht mehr an den Zielen der Parteien orientieren, die sie selbst für richtig halten, sondern blind der Agitation von Kampagnen-Managern folgen, die eigene politische Ziele verfolgen und dazu die Unbedarftheit von Bürgern einsetzen, die nicht bemerken, dass sie zum Spielball politischer Strategen werden.

Der Geschäftszweck der GOODFORCES GmbH zeigt dies klar: Beratung von Kunden und Organisationen aus allen Bereichen der Wirtschaft sowie politischen Organisationen, Mandatsträgern und Parteien in allen Fragen der Öffentlichkeitsarbeit und gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kommunikation – insbesondere Online- und Social-Media-Kommunikation.

Geschäftsführer dieser seit 2024 bestehenden Firma sind Patrick Haermeyer und Peter Jelinek. Auf der Internetseite „Zeit Wissen Kongress 2026“, einer Plattform der Studio ZX GmbH der ZEIT-Verlagsgruppe, kann der interessierte Bürger lesen:

„Patrick Haermeyer und Peter Jelinek sind Gründer und Geschäftsführer der Kampagnenagentur The Goodforces. Mit Progressive Lore haben sie eine Plattform für progressive Kampagnen ins Leben gerufen. Patrick arbeitet seit über 10 Jahren an politischen Kampagnen – von US-Präsidentschaftswahlkämpfen für Bernie Sanders und Kamala Harris bis hin zu großen Klima-, Demokratie- & Gerechtigkeitskampagnen in Deutschland. Peter hat im EU-Parlament zum Green Deal und dem Europäischen Klimaschutzgesetz gearbeitet und viele Jahre beim WWF Deutschland die Kommunikations- und Kampagnenarbeit begleitet.“

Den Bürgern wird erzählt, hinter „taktisch wählen“ stünden junge Menschen aus Sachsen-Anhalt. Tatsächlich handelt es sich um eine professionelle Kampagnenagentur mit engen Verbindungen zur ZEIT-Verlagsgruppe, zu US-Wahlkämpfen, zum EU-Parlament und zu großen NGOs. Wer so arbeitet, ist nicht „überparteilich“, sondern Teil eines politischen Kommunikationsnetzwerks, das tief in die Willensbildung eingreift – ohne dass die Öffentlichkeit die wahren Hintergründe kennt.

Viele Bürger konnten den entscheidenden Hintergrund gar nicht erkennen. Das zeigte sich auch im Deutschlandfunk-Interview mit dem Politikwissenschaftler Thorsten Faas. Zwar wurde die Kampagne „Taktisches Wählen“ erwähnt und auch der Name GOODFORCES fiel, doch die Moderatorin und der Experte sprachen ausschließlich über das Phänomen des taktischen Wählens — nicht über die Struktur, die diese Kampagne trägt.

Für viele Hörer klang das so, als sei GOODFORCES eine Art „junges Wahlkampfkollektiv“, nicht eine professionelle Agentur. Und ich muss an dieser Stelle offen sagen: Auch ich selbst habe das beim ersten Hören so verstanden. Erst durch eigene Recherche wurde deutlich, dass hinter der angeblichen Initiative junger Menschen aus Sachsen-Anhalt eine strategisch arbeitende Kampagnenfirma mit internationalen Verbindungen steht.

Die entscheidenden Hintergründe wurden im Interview nicht beleuchtet, und so entstand der Eindruck einer harmlosen demokratischen Initiative, obwohl es sich in Wahrheit um professionelles politisches Campaigning handelt.

Damit beginnt ein demokratisches Problem, das weit über die Kampagne hinausreicht. Hier wird nicht nur eine harmlose Bürgerinitiative vorgetäuscht, sondern es wird aktiv in die politische Entscheidungsfreiheit der Bürger eingegriffen. Die Wähler werden nicht ernst genommen, sondern als Mittel zum Zweck benutzt, um die politischen Ziele bestimmter Strategen durchzusetzen.

Besonders problematisch ist die Frage, ob hier nicht sogar eine gesetzeswidrige Wahlkampfunterstützung für bestimmte Parteien – insbesondere SPD und Grüne – vorliegt. Wenn eine private Kampagnenfirma mit erheblichem finanziellen Aufwand gezielt darauf hinwirkt, bestimmte Parteien über die Fünf-Prozent-Hürde zu bringen, ist dies nicht mehr „überparteilich“, sondern eine Form politischer Einflussnahme, die zumindest prüfpflichtig wäre.

Umso erstaunlicher ist es, dass die staatlichen Aufsichtsbehörden, insbesondere die Landeswahlleitung in Sachsen-Anhalt, bislang nicht eingeschritten sind. Es wäre ihre Aufgabe zu prüfen:

  • ob die Kampagne parteipolitische Unterstützung darstellt,
  • ob die Finanzierung transparent und gesetzeskonform ist,
  • ob die Selbstdarstellung als „überparteilich“ irreführend ist,
  • und ob hier eine unzulässige Einflussnahme auf den Wahlprozess stattfindet.

Dass diese Prüfung aktuell offenbar nicht erfolgt, wirft Fragen auf, die in einer funktionierenden Demokratie nicht unbeantwortet bleiben dürfen.