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Warum wurde Macron mit dem Friedenspeis geehrt?

Aktuell ist es ist keine neue Erkenntnis, dass sich Politiker und die sich als mächtig empfindenden Herrscher dieser Welt gegenseitig mit Orden und Ehrenzeichen versehen. Denn was wäre schon ein Empfang, wenn nicht die Möglichkeit bestünde, die eigene Brust mit entsprechenden Orden schmücken zu können, damit dadurch die Bedeutung des Ordensträgers den richtigen Sonnenstrahl erhellt und die Umgebung in Ehrfurcht den Blick senkt. Die Kirchen, insbesondere die katholische Kirche, haben es da einfacher. Mit ihren ausdifferenzierten Gewändern und Kopfbedeckungen können, die sich von dieser Welt bereits abgehobenen Persönlichkeiten regelrecht selbst zelebrieren und sind nicht auf das schnöde gegenseitige Ordensverleihungswesen angewiesen.

Nun kommt es aber immer wieder zu Ordensverleihungen, deren Sinnhaftigkeit nicht nur fragwürdig ist, sondern gelegentlich auch in die Lächerlichkeit abdriftet. Das geschieht insbesondere dann, wenn die Begründung für die Verleihung des jeweiligen Ordens oder der jeweiligen Auszeichnung so unglaubwürdig ist, weil erkennbar wird, dass aus Taten für den Krieg, Taten für den Frieden gemacht werden sollen. So kann man sich heute noch fragen, für welche Leistungen der frühere US-Präsident Obama den Friedenspreis erhalten hatte, obwohl Obama in seiner Funktion als Präsident der USA für tausende unschuldige Opfer verantwortlich ist. Auch seine großen Worte, das verbrecherische Kriegsgefangenenlager Guantánamo aufzulösen, waren nur Schall und Rauch. Es existiert noch heute.

Aber nicht bei allen „Friedenspreisen“ die von mehr oder weniger sich selbst feiernden Komitees – in diesem Zusammenhang kann man auch den sogenannten Friedenspreis der Aachener betrachten- wird der Widersinn von Ordensverleihungen gleich auf den ersten Anschein fragwürdig. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass bei vielen Mitbürgern die Geschichtskenntnisse unterbelichtet sind, wobei man das nicht den Betroffenen, sondern den regierenden Parteien vorwerfen muss, weil diese gar kein Interesse daran haben, dass die Bevölkerung die geopolitischen Zusammenhänge durchschauen können. Dazu sind u. a. profunde Kenntnisse der Geschichte erforderlich, weil man nur dann in der Lage ist, aktuelle politische Geschehnisse in der richtigen Weise selbst einordnen zu können. Insofern redet man den Bürgern ein, dass man sich ja alles aus dem Internet holen könne. Was verschwiegen wird, ist die Tatsache, dass viele dieser sogenannten Informationen politisch einseitig gefärbt sind und nur dann als zweifelhaft zu erkennen sind, wenn man die objektiven Geschichtsfakten kennt.

Anlässlich des Staatsbesuches von Staatspräsident Macron in Deutschland, der grundsätzlich zu begrüßen war, wurde der akademisch gebildeten Bürgerschaft wieder einmal eindrucksvoll vorgeführt, wie man Geschichtsvorfälle so umdeuten kann, dass aus dem Staatspräsidenten Macron ein Paradebeispiel für eine erfolgreiche Friedenspolitik im Geiste des Westfälischen Friedens gemacht wurde. Betrachtet man die Wirklichkeit, so muss man, bei aller Wertschätzung Macron gegenüber, feststellen, dass dieser keinesfalls der große Friedensverbreiter in Europa ist. Macron war es, der laut darüber nachdachte, Bodentruppen in die Ukraine zu entsenden. Macron sieht auch keinesfalls die Eigenständigkeit der kleinen Staaten in Europa als wichtigstes Ziel seiner Politik, sondern bemüht sich sehr stark die Dominanz seines eigenen Landes in Europa zur Geltung zu bringen. Und nicht zuletzt sind von Macron keine besonderen Initiativen erkennbar gewesen, den Ukraine-Krieg diplomatisch zu entschärfen. Aber genau dies wäre eine Politik im Geiste des Westfälischen Friedens. Hier wurde nach einem 30jährigen Gemetzel, das Tausenden das Leben kostete, bemerkt, dass man auch kleine Staaten in ihrer Eigenständigkeit achten und fördern muss. Die Niederlande und die Schweiz erhielten damals ihre Souveränität. Warum der französische Präsident jetzt im Zusammenhang mit dem Westfälischen Frieden so gelobt wird, ist auch deshalb nicht ganz nachzuvollziehen, da Frankreich und Schweden Gewinner der Friedensvereinbarung in Münster waren: Frankreich erhielt große Teile des damaligen deutschen Gebietes, während Schweden Gebiete aus Spanien zugesprochen wurden. Der Aufstieg Frankreichs zu einer bedeutenden Macht war eine Folge der Auswirkungen des 30jährigen Krieges. Übrigens gibt es eine weitere Parallele der damaligen Zeit zur Gegenwart: Damals spielte sich der Krieg überwiegend auf dem Gebiet der deutschen Nationen ab. Auch heute werden mögliche Bomben Russlands kaum in den USA oder Frankreich einschlagen, sondern wie bereits zur Zeit des 30jährigen Krieges wieder in Deutschland ihr Ziel finden.

So kann man nur noch mit Kopfschütteln das gegenseitige Feiern der sogenannten Weltführer betrachten. Die Mehrheit der Bevölkerung wird selbst dies nicht unternehmen, weil ihnen die gesamte Selbstbeweihräucherung der Politiker ohnehin gleichgültig ist. Auch bei den Ordensverleihungen bleibt es so, wie es sein soll: Die sogenannte Elite bleibt unter sich, das Volk darf staunen, es kann es aber auch unterlassen. Beides hat keine Wirkung.