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Kein Platz für Menschen, die anderer Meinung sind?

Der DLF-veröffentlichte in seiner Mediathek ein Bild der AWO mit einer Bank, die ein Symbol gegen Rassismus zum Ausdruck bringen soll. Das sollte wohl eine Mahnung für die Bevölkerung gegen Rassismus sein.

Die Rückenlehne einer Holzbank ragt über die Sitzfläche hinaus. Dort, wo niemand sitzen kann, steht auf der Lehne: "Kein Platz für Rassismus".

Ich verkenne nicht, dass mich dieses Bild nicht nur aufgeregt, sondern eine tiefe seelische Verletzung bei mir ausgelöst hat. Spontan dachte ich an ein Bild, das ich von meinem leiblichen Vater, einem ehemaligen Offizier der deutschen Wehrmacht erhalten habe und das meine Mutter auf einer Bank „Nur für Juden“ zeigt. Aus Respekt meiner Mutter gegenüber, habe ich dieses Bild hier nicht veröffentlicht. Es machte aber deutlich, wie schnell solche Symbole zur Ausgrenzung bis hin zur Vernichtung von Menschen führen können. Mein Vater konnte natürlich meine Mutter seinerzeit nicht heiraten, ich selbst habe sie nie kennengelernt.

Was ich damit sagen will ist, dass man sich doch auch einmal überlegen sollte, welche Assoziationen mit dem vermeintlich guten Beispiel gegen Antidiskriminierung bei Betroffenen hervorgerufen werden, die selbst Opfer dieser verbrecherischen Gedankenwelt waren. Bänke scheinen nicht nur harmlose Sitzgelegenheiten zu sein. Sie werden offensichtlich zu allen Zeiten für eine Demagogie missbraucht. Natürlich sind die jeweiligen Akteure, so bei unserem Beispiel die AWO, immer der Auffassung, auf der guten Seite zu stehen. Es sind ja immer die anderen, die man aus der Gesellschaft entfernen muss.

Anderseits ist für mich das Bild mit der Bank der AWO ein erschreckendes Symbol, wie man – obwohl man mit Sicherheit glaubt, eine gute Idee zu verbreiten – ein riesiges gesellschaftliches Unheil anrichtet. Was bedeutet der leere Platz neben dieser Bank? Er bringt zum Ausdruck, dass es wieder Menschen gibt, die keinen Platz in unserer Gesellschaft haben dürfen. Man kann das Bild auch so interpretieren, dass man Menschen, die sich nicht so verhalten, wie man es von ihnen erwartet, eliminiert werden müssen. Für meine Person kann ich versichern, dass ich nicht zuletzt aufgrund meiner eigenen Biografie gegen Rassismus jeglicher Couleur bin. Aber ich weiß auch durch mein Studium der Sozialarbeit, dass es keine asozialen Menschen gibt, sondern allenfalls dissoziale Menschen, mit denen man auch reden muss und vor allen Dingen, die man nicht aus der Gesellschaft entfernen darf, weil dies gar nicht geht. Sie sind nämlich auch Teil dieser Gesellschaft, ob ich das gut finde oder nicht! Und wer bildet sich ein, aufzustehen und anderen zu sagen, was Rassismus ist und was nicht? Die Auseinandersetzungen zwischen den Juden und den Palästinensern zeigen, dass Hass nur wieder Hass produziert und letztlich die Menschen sich nur gegenseitig vernichten.

Ich bin sicher, dass es auch andere Menschen gibt, die eine ähnliche Biografie wie ich haben. Das Bild der AWO ist für mich ein schlimmes Symbol, weil es nicht zum Frieden, sondern letztlich zu einer Ausgrenzung anderer Menschen führt, die aus welchen Gründen auch immer eine andere Meinung vertreten. Die Verwerfungen in unserer Gesellschaft resultieren aktuell besonders durch diese Art der „Volksbelehrung“. Vielleicht sollten diese Moralapostel einmal wieder in sich gehen und überlegen, warum die Spaltung der Gesellschaft immer brutaler wird. Diejenigen, die von Empathie und Respekt ständig reden, merken oft gar nicht, wie sie sich geradezu mit Füßen auf den Seelen ihrer Mitbürger bewegen und darauf regelrecht herumtrampeln. Die Bank, die hier ein Symbol für die Ausgrenzung darstellen soll ist eine brutale Aufforderung zur Ausgrenzung aller Menschen, die nicht dem Bild dieser Moralapostel entsprechen.

Bilder, wie sie die AWO mit ihrer Bank gegen Rassismus produziert haben, zeigen in einer schlimmen Art und Weise, wie heruntergekommen unsere Diskussionskultur bereits gekommen ist. Ich für meine Person, möchte solche Bilder möglichst schnell aus meinem Bewusstsein löschen, weil sie nur krank machen.