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Die CDU sucht den Schulterschluss mit den Linksparteien in Sachsen

Es ist eine bemerkenswerte Entwicklung in der sächsischen Politik. Während die AfD in Umfragen inzwischen deutlich vor der CDU liegt, wird gleichzeitig berichtet, dass die CDU für die Verabschiedung des Doppelhaushaltes auf Stimmen von Parteien angewiesen ist, mit denen sie ursprünglich keine politische Zusammenarbeit anstreben wollte.

Im Interesse des Freistaates wäre ein Haushalt, der sich an den finanziellen Möglichkeiten des Landes orientiert und langfristig tragfähig bleibt. Stattdessen entsteht zunehmend der Eindruck, dass die Minderheitsregierung von Ministerpräsident Michael Kretschmer ihre parlamentarische Absicherung vor allem durch politische Zugeständnisse an andere Fraktionen sucht. Ausgerechnet jene Parteien, von denen sich die CDU programmatisch abgrenzen wollte, werden nun zu unverzichtbaren Partnern bei der Durchsetzung des Haushalts.

Der von Finanzminister Christian Piwarz vorgelegte Regierungsentwurf sieht Ausgaben von rund 53,5 Milliarden Euro für die Jahre 2027 und 2028 vor. Nach den aktuellen Verhandlungen sollen zusätzliche Mittel in erheblicher Höhe bereitgestellt werden, um die Zustimmung weiterer Fraktionen zu gewinnen. Dadurch entsteht die Frage, ob hier tatsächlich finanzpolitische Notwendigkeiten oder vielmehr politische Mehrheiten den Ausschlag geben.

Der AfD-Fraktionsvorsitzende Jörg Urban kritisiert dieses Vorgehen scharf. Er wirft der CDU vor, erneut kostspielige Ausgabenprogramme zu unterstützen, um sich eine parlamentarische Mehrheit zu sichern. Seine Fraktion lehnt zusätzliche Schulden grundsätzlich ab und fordert stattdessen Einsparungen bei staatlichen Ausgaben. Unabhängig davon, wie man diese Position bewertet, verweist die Debatte auf eine zentrale Frage: Soll ein Haushalt primär finanzpolitischen Grundsätzen folgen oder politischen Kompromissen dienen?

Besonders widersprüchlich erscheint das Verhalten der Staatsregierung beim Umgang mit der AfD. Einerseits begründet Ministerpräsident Kretschmer seine Ablehnung einer Zusammenarbeit regelmäßig mit politischen und inhaltlichen Differenzen. Andererseits wurde ein sogenannter Konsultationsprozess geschaffen, der auch der AfD die Möglichkeit geben sollte, sich in politische Beratungen einzubringen. Die AfD lehnte eine Beteiligung jedoch mit der Begründung ab, dass politische Entscheidungen in den zuständigen Ausschüssen und im Landtag selbst vorbereitet und entschieden werden müssten.

Unabhängig von dieser Kontroverse bleibt die politische Kernfrage bestehen: Warum sucht die CDU ihre Mehrheiten bevorzugt bei Parteien links der politischen Mitte, wenn sie gleichzeitig darauf verweist, die Positionen der AfD seien für sie nicht akzeptabel? Die Folge dieser Strategie ist, dass immer mehr Bürger den Eindruck gewinnen, ihre Wahlentscheidung wirke sich auf die praktischen politischen Abläufe nur noch begrenzt aus.

Unabhängig von der Bewertung einzelner Parteien fällt auf, dass über die aktuelle politische Stimmungslage in Sachsen vergleichsweise wenig berichtet wird. Dabei liegen durchaus Daten vor, die einen Eindruck davon vermitteln, wie die Situation gegenwärtig wahrgenommen wird. Es handelt sich dabei nicht um ein Wahlergebnis, sondern um eine Momentaufnahme der öffentlichen Meinung.

Nach einer aktuellen Umfrage von INSA entfallen auf die AfD rund 42 Prozent, auf die CDU 21 Prozent, auf die Linke 9 Prozent, auf das BSW 7 Prozent sowie auf Grüne und SPD jeweils etwa 6 Prozent der Stimmen. Diese Werte stellen kein Wahlergebnis dar, sondern geben die politische Stimmung zum Zeitpunkt der Befragung wieder.

Auch wenn Umfragen keine Wahl ersetzen können, zeigen sie doch, in welchem politischen Umfeld die Staatsregierung derzeit handelt. Vor diesem Hintergrund stellt sich umso stärker die Frage, welche strategischen Konsequenzen die CDU aus dieser Entwicklung ziehen will.

Für die CDU könnte diese Entwicklung langfristig erhebliche Folgen haben. Wer sich dauerhaft gegen Gespräche mit der stärksten Oppositionsfraktion entscheidet und stattdessen immer neue Bündnisse mit kleineren Parteien eingeht, riskiert den Eindruck, nicht mehr politische Inhalte, sondern vor allem den Machterhalt zum Maßstab des eigenen Handelns zu machen. Ob dies geeignet ist, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen, erscheint zumindest zweifelhaft.

Noch wichtiger für Sachsen ist in diesem Zusammenhang auch die Frage, ob die CDU sich nicht bereits jetzt Gedanken machen sollte, wie die nächste Regierung aussehen könnte. Denn sollten die heutigen Mehrheitsverhältnisse Bestand haben, wird die CDU auf Dauer entscheiden müssen, mit welchen Partnern sie künftig regieren will. Konsultationsprozesse allein werden eine Regierungsbildung dann kaum ersetzen können.

Von Bornemann

Dipl.- Sozialarbeiter
Mitglied im Verband Deutscher Pressejournalisten
Studium Sozialarbeit
AKAD Management-Fernstudium
Ergänzungsstudium Wirtschaftsphilosphie

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