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Faktencheck: Lauterbach verbreitet Falschinformationen über Gefährlichkeit von Omikron für Kinder

RT-DE 10.12.2021

Der neue Gesundheitsminister Karl Lauterbach behauptete im heute-journal des ZDF, dass die Omikron-Variante des SARS-CoV-2-Erregers für Kinder besonders gefährlich sei. Doch ein Faktencheck der Berliner Zeitung zeigt, dass dies falsch ist.

Faktencheck: Lauterbach verbreitet Falschinformationen über Gefährlichkeit von Omikron für KinderQuelle: www.globallookpress.com © Hannibal Hanschke/dpa

Karl Lauterbach (SPD) ist erst seit kurzer Zeit Bundesgesundheitsminister, verbreitete aber auch in dieser kurzen Zeit im Amt Fehlinformationen über Corona: Am Mittwoch erklärte Lauterbach im Interview mit dem heute-journal des ZDF zunächst, dass sich jeder bereits zweifach gegen Corona geimpfte Deutsche noch einmal impfen müsse, wenn Omikron die vorherrschende Variante werde. Die Moderatorin meinte daraufhin, dass Lauterbach oft gesagt habe, man dürfe Corona bei Kindern nicht verharmlosen. STIKO-Chef Mertens habe hingegen kürzlich erklärt, er würde seine Kinder eher nicht impfen lassen, da Corona für Kinder harmlos sei. Aus die Frage, wie er diese Position bewerte, erklärte Lauterbach:

„Also, das ist eine unglückliche Positionierung gewesen von Herrn Mertens. Ich glaube, er ist auch aus dem Zusammenhang heraus zitiert worden. Ganz klar ist Folgendes zu sagen: Wir müssen davon ausgehen, dass gerade die Omikron-Variante für Kinder besonders bedrohlich ist. Das ist leider so, dass die Omikron-Variante sich nicht nur schneller verbreitet, sondern leider auch Kinder stärker befällt und somit auch zu mehr Krankenhauseinweisungen führen wird. Das heißt, wir müssen hier vorbauen.“

Er hoffe, dass es bald zu einer Bewertung der STIKO komme. Er persönlich, „als Wissenschaftler gesprochen“, glaube, dass die Impfung im Vergleich zur Erkrankung die bessere Wahl sei. Die Berliner Zeitung unterzog Lauterbachs Aussagen nun einem Faktencheck, der zu dem Ergebnis kam, dass Lauterbachs Aussage, die Omikron-Variante sei für Kinder besonders gefährlich und führe zu hohen Hospitalisierungsraten, nicht durch Fakten gedeckt ist.

Der Virologe Klaus Stöhr, der darüber mit der Berliner Zeitung sprach, erklärte, dass sich der Gesundheitsminister offenbar auf eine südafrikanische Studie und entsprechende Berichte in indischen Medien bezogen hatte. Bei der Studie handele es sich demnach um eine Vorabpublikation vom 5. Dezember, Auszüge daraus wurden auch auf einer Tagung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) präsentiert.

Die bisher begrenzten Daten deuten nämlich darauf hin, dass der Krankheitsverlauf wohl milder sein könnte, da viele Patienten (darunter auch Kinder und Jugendliche) erst im Krankenhaus positiv auf den SARS-CoV-2-Erreger getestet werden. Meist wurden die Patienten wegen anderen Gründen ins Krankenhaus eingeliefert, bei „Corona“ handele es sich demnach um einen Nebenbefund. Deshalb sei der Anteil an Corona-Verdachtsfällen ohne oder mit milden Symptomen höher als bei anderen Wellen. Aus den Daten gehe aber nicht direkt hervor, dass Omikron für Kinder gefährlicher sei, auch in den indischen Medien ist man deshalb mit der Berichterstattung eher zurückhaltend. Aus den derzeit weltweit verfügbaren Daten könne man daher nichts Belastbares über die Gefährlichkeit der neuen Variante sagen. Stöhr erklärte:

„Aus meiner Perspektive gibt es aus den vorläufigen Daten keine Erkenntnisse, die auch nur annähernd den Schluss zulassen, Kinder wären von schweren Verläufen bei Omikron betroffen.“

Der Faktencheck kommt entsprechend zu dem Ergebnis, dass Lauterbachs Aussage, Omikron sei für Kinder besonders gefährlich, nach derzeitigem Kenntnisstand falsch ist. Stöhr erklärte auch, er halte es für wichtig, dass sich Personen in der Altersklasse über 50 bis 60 Jahre Auffrischungsimpfung verabreichen lassen, um die Immunantwort zu verbessern. Dies sei ähnlich wie bei einer Grippewelle. Allerdings sei Lauterbachs Aussage irreführend, dass nun jeder eine Drittimpfung brauche, da dies für Personen, deren Zweitimpfung erst drei Wochen zurückliege, keinen Sinn ergebe. Anders sehe dies aus, wenn diese schon drei Monate zurückliege.

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Von Bornemann

Dipl.- Sozialarbeiter
Mitglied im Verband Deutscher Pressejournalisten

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