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Bischof Bätzing: Ein Vorsitzender, der die Kirche politisierte – und daran scheiterte

Die Meldung in Rundfunk und Presse, dass der katholische Bischof Georg Bätzing für eine weitere Amtszeit als Vorsitzender der Bischofskonferenz nicht mehr zur Verfügung steht, wird viele Christen überrascht haben. Es werden manche diesen Schritt des Bischofs, denn es scheint so, dass es ein persönlicher Entschluss von Bätzing ist, bedauern. Es werden aber auch viele Christen diesen Schritt von Bätzing begrüßen. Wie Politiker der aktuellen Machtelite reagieren werden, kann man nur erahnen. Wahrscheinlich wird das Bedauern über den Rückzug dieses Bischofs groß sein, denn dieser Bischof verhielt sich oft so, dass der Anschein bestehen konnte, er sei ein Sprachrohr und Unterstützer des aktuellen politischen Macht-Zirkels gewesen und nicht so sehr der Hirte einer Herde, den das Wohl eines jeden Schafes so wichtig gewesen ist, dass er sich auch um ein einzelnes verirrten Schafes bemüht hätte.

Das Bild des Hirten der Schafe sollte an dieser Stelle bewusst in den Blickwinkel der Leser dieses Kommentares gerückt werden. Es soll keine Unterwürfigkeit und Dummheit mit einem solchen Bild unterstellt werden. Vielmehr soll mit diesem theologischen Bild dargelegt werden, dass es Aufgabe einer christlichen Kirche sein muss, ihren Mitgliedern eine spirituelle Orientierung zu vermitteln, um damit eine Verbindung zwischen dem irdischen Leben und einer transzendenten Verbindung zu einem höheren Wesen zu schaffen. Menschen, die in Not geraten sind – damit ist nicht nur Geld etc. gemeint, sondern eine innere seelische Befindlichkeit, benötigen Hilfe.

So wie ein Hirte keine Macht über Schafe ausübt, sondern für sie da ist, sie beschützt und aus misslichen Situationen befreit, sollte auch ein Bischof handeln und in seinen theologischen Verlautbarungen erkennbar sein. Ein Hirte kennt jedes seiner Schafe, ein Bischof sollte nicht nur die „Schafe“ kennen, die einen gewissen gesellschaftlichen Status haben. Betrachtet man die – allgemein in der Öffentlichkeit bekannten – Schwerpunkte des Handelns von Bischof Bätzing, denkt man zuerst an eine starke Politisierung der Kirche. Viele werden sich die Frage gestellt haben, ob Bischof Bätzing als ein politischer, ja sogar parteipolitisch ausgerichteter Repräsentant aufgetreten ist. Wenn man Berichte über sein Wirken liest, dann wird oft darauf hingewiesen, dass er sich wiederholt mit markenten politischen und gesellschaftlichen Positionierungen hervorgetan hat. Damit hat er die Kirche stärker in einen politischen Diskurs hineingezogen und damit die innerkirchliche Spaltung verschärft. Beispielhaft sei hier auf die parteipolitische Agitation gegen die AfD hingewiesen. Kirchenmitglieder, die Mitglied oder gar Funktionäre dieser Partei sind, werden von diesem Bischof gnadenlos ausgegrenzt und als gesellschaftliche Feinde behandelt. Ein Hirte würde solche „Schafe“ nicht verstoßen, sondern sich bemühen, mit diesen in ein Gespräch zu gelangen. Vielleicht haben diese „Schafe“ sogar eine Gefahr für die gesamte Herde erkannt, die dem Hirten noch gar nicht aufgefallen ist.

Bätzing ist aber auch ein Symptom seiner Kirche, die bereits auch ohne ihn sehr stark politisiert auftritt. Das sollte eben die Kirche von politischen Parteien unterscheiden. Die Kirche muss – eben wie der „Hirte“ alle seine „Schafe“ betreuen, behüten und auch schützen. Er darf keinen Unterschied zwischen weißen und den schwarzen Schafen machen, auch wenn ihm eine bestimmte Farbe besser gefällt. Bischof Bätzing versteht sich offensichtlich als Visionär seiner Kirche, wobei es auch Christen gibt, die in dieser Rolle die Gefahr einer Verantwortungslosigkeit erkennen.

Für Bischof Bätzing standen folgende Themen im besonderen Fokus:

–              Öffnung für Diakonat der Frau

–              Stärkere Beteiligung von Laien

–              Strukturelle Machverschiebungen

Natürlich sind dies wichtige Punkte, über die nicht nur diskutiert werden darf, sondern die auch zu einer Entscheidung geführt werden müssen. Wenn man jedoch so tut, als wenn solche gravierenden Veränderungen in der Kirche, die eben nicht nur aus der deutschen Kirche besteht, auf einem scheinbaren demokratischen Wege auf der Landesebene klären könnte, dann belügt man die Gläubigen, die wirklich geglaubt haben, die katholische Kirche in Deutschland könne sich über das Kanonische Recht hinwegsetzen und dem Vatikan vorschreiben, wie die Kirche zukünftig organisiert und strukturiert sein soll.

Richtig wäre es gewesen, wenn Bischof Bätzing direkt beim Vatikan vorstellig geworden wäre. Er hätte sich dort um Mehrheiten bei den übrigen Bischöfen der Weltkirche bemühen müssen. Notfalls hätte er als Bischof zurücktreten müssen, wenn er zu der Überzeugung gekommen wäre, dass er den gegenwärtigen Zustand der Kirche nicht ertragen kann. Was jetzt angerichtet wurde, ist ein Scherbenhaufen. Viele Christen sind enttäuscht, weil die Versprechungen im Rahmen des sogenannten synodalen Prozesses auf einem Holzweg endeten. Sie sind enttäuscht, weil sie bemerken, dass nur die Christen bei einem Bischof Bätzing willkommen sind, die die richtige gesellschaftspolitische Meinung vertreten. Und manche werden jetzt sogar glauben, mit dem Rücktritt von Bischof Bätzing würde die Kirche führerlos, was natürlich Unsinn ist.

Der Vatikan wird wahrscheinlich erleichtert sein, dass Bätzing diesen Schritt gegangen ist. Es ist allerdings auch nicht auszuschließen, dass die „Anregung“ direkt von dort gekommen ist.


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Eine Weihnachtspredigt ohne geistlichen Kompass

Wer aktuell an Weihnachten noch den Weg in die Kirche findet, erwartet – vielleicht instinktiv – einen geistlichen Impuls, der über das Tagesgeschäft hinausweist. Gerade vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz hätte man ein Wort erhofft, das Orientierung gibt: für Gläubige, für Suchende, für jene, die zwar nicht kirchentreu, aber doch von einer höheren Ordnung überzeugt sind. In einer Zeit, in der politische, gesellschaftliche und moralische Grundsätze immer diffuser werden, wäre dies eine Chance gewesen.

Bischof Bätzing begann seine Predigt mit einem großen kosmischen Bogen. Er erinnerte an die kaum vorstellbare Tatsache, dass die Erde mit 30 Kilometern pro Sekunde durch den Raum rast. Ein Einstieg, der tatsächlich hätte öffnen können – hin zu Transzendenz, zu der Frage nach dem Verhältnis zwischen Mensch, Welt und Gott.

Doch dieser Ansatz verpuffte. Statt die geistige Weite zu nutzen, stürzte der Bischof rasch in die Niederungen des politischen Alltags. Die vertrauten Schlagworte tauchten auf: „Wir zuerst“, „egoistischer Nationalismus“, Warnungen vor Abschottung. Es ist die Sprache des politischen Mainstreams – nicht die Sprache eines geistlichen Hirten. Die Parole „Wir zuerst“ ist kein spontanes Produkt der Bevölkerung, sondern das Ergebnis politischer Kampagnen. Und Begriffe wie „egoistischer Nationalismus“ dienen längst als Kampfbegriffe, um legitime regionale Bindungen zu diskreditieren.

Denn viele Menschen verstehen sich nicht als „Weltbürger“, sondern als Teil eines konkreten Umfelds: Familie, Nachbarschaft, Region, Volk. Diese Bindungen sind keine Feindseligkeit gegenüber anderen Kulturen, sondern Ausdruck natürlicher menschlicher Zugehörigkeit. Zusammenhalt entsteht nicht durch moralische Belehrung, sondern durch gelebte Nähe.

Auch der Sozialstaat ist nicht durch die Bürger beschädigt worden, sondern durch politische Entscheidungen. Die Kirchen haben dabei oft eine zweifelhafte Rolle gespielt. Ich erinnere mich gut an die Einführung der Pflegeversicherung: Norbert Blüm versprach die Lösung aller Probleme, und die Wohlfahrtsverbände – kirchliche wie nichtkirchliche – unterstützten das Gesetz begeistert, weil sie sich bessere Finanzierung ihrer Einrichtungen erhofften. Die Realität: mehr Bürokratie, mehr staatliche Kontrolle, weniger familiäre Verantwortung. Der verfassungsrechtliche Auftrag, die Familie zu schützen, wurde Schritt für Schritt ausgehöhlt.

Wenn Bischof Bätzing über das Wunder des Kosmos spricht, sollte er sich fragen, welchen Einfluss der Mensch tatsächlich auf das Weltgeschehen – etwa das Klima – hat. Wer die unvorstellbaren Dimensionen des Universums ernst nimmt, müsste zumindest Demut walten lassen.

Vielleicht wäre genau das die Aufgabe eines Bischofs: uns wieder an die Ehrfurcht vor Gott zu erinnern. Nicht an politische Parolen, nicht an die Schlagworte des Tages. Eine echte Hinwendung zu Gott verändert den Blick auf den Menschen: Jeder trägt etwas Göttliches in sich – nicht nur ein Bischof. Aus dieser Haltung heraus verbietet sich Gewalt, Ausbeutung, Verachtung. Und sie erlaubt zugleich, die eigenen Nächsten zuerst zu lieben: die Familie im engeren wie im weiteren Sinne – Region, Land, Volk.

So wie Familienmitglieder einander nicht beschimpfen oder vernichten, so sollten auch Völker einander begegnen. Das wäre ein Impuls gewesen, der Weihnachten würdig wäre.

Diesen Impuls hat Bischof Bätzing nicht gegeben. Schade.

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Die Freiheit des Denkens ist eine Gefahr für die etablierte Macht

Die Agentur dpa berichtet, dass der Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), Friedrich Kramer, sich von den Attacken der AfD an DDR-Zeiten erinnert fühlt. „Wir kennen das ja aus der DDR-Zeit. Insofern ist es uns nicht unvertraut, dass Christen, insbesondere die Kirchenleitung angegriffen, verhöhnt und verspottet werden. Da muss die AfD entscheiden, ob sie sich hier in die Tradition der SED stellen will“, habe er gegenüber der dpa in einem Interview erklärt.

Wahrscheinlich hat dieser Bischof gar nicht wahrgenommen, was seine eigene Kirche der AfD entgegenschmettert, so dass er doch eigentlich nicht erstaunt sein sollte, wenn die AfD die Kirchen – das trifft auch auf die katholische Kirche zu – nicht zu den Einrichtungen zählt, die unsere Gesellschaft friedlicher machen und mit dazu beitragen, dass der Hass und die Zwietracht zwischen den Bürgern in unserem Land nicht noch zusätzlich befeuert wird.

Besonders makaber ist es, dass dieser Bischof auf die DDR-Bezug nimmt und gar nicht merkt, wie schief und eines Bischofs nicht würdig, sein Vergleich ist. Von einem Bischof muss man sich nicht erhoffen, dass er ein Vorbild für andere ist, man sollte aber fordern, dass er sich an ein Mindestmaß intellektueller Redlichkeit hält. Der Landesbischof Kramer scheint seine Kirche mit einer Unterabteilung einer Partei zu verwechseln, die mit aller Gewalt sich an der Macht klammert und bemerkt, dass die Bürger mit dieser Partei nichts mehr zu tun haben wollen. Er scheint auch kein Problem darin zu sehen, dass die Nachfolgepartei der SED die Partei „Die Linke“ als demokratisch und staatstragend angesehen wird.

Was soll man von einer Präses – gemeint ist Frau Anne-Nicole Heinrich – der Synode der evangelischen Kirche halten, die Unfug über die AfD daherredet, indem sie dieser vorhält, diese würde behaupten, die Menschen seien unterschiedlich wert. Wahrscheinlich reicht ein Bachelor -Studium und mangelnde Lebenserfahrung offensichtlich doch nicht aus, um differenziert denken zu können. Dann hätte sie bemerkt, dass es bei der AfD nicht um die Wertigkeit des Menschen geht, sondern um die Frage, wann eine Grenze für ein Volk erreicht sein könnte, wenn Menschen aus einem anderen Kulturkreis einwandern, ohne dass die Voraussetzungen für eine Integration vorliegen bzw. sogar teilweise abgelehnt werden. Es ist kein christliches Verhalten – aber darum scheint es den Kirchen aktuell auch gar nicht mehr zu gehen – wenn man die Bürger ausgrenzt, nur weil sie von dem demokratischen Recht Gebrauch machen, ihre Meinung zu äußern.

Auch der katholische Bischof scheint sich immer mehr als Parteifunktionär zu sehen, als ein Oberhirte, der sich um die Seelen seiner Gläubigen Gedanken machen sollte. Immer mehr glaubt Bischof Bätzing, Sprachrohr der zu einem Links-Block verbundenen Parteien sein zu müssen. Der Gipfel des Unfassbaren ist seine letzte Äußerung, durch die dieser Bischof fordert, dass die „Brandmauer“, die man auch als faschistischen Schutzwall zur Erhaltung der aktuellen Machtelite bezeichnen kann, so lange wie möglich bestehen bleibt. Ein Bischof, von dem man annehmen sollte, dass er für Meinungsoffenheit, für Achtung gegenüber Andersdenkende einzustehen hat, fordert ein Vermauern von Gedanken und spaltet damit die Gesellschaft. Dieser Bischof scheint keine Bedenken zu haben, fast ein Drittel der Bürger als rechtsradikal, dumm und verblendet einschätzen zu können und scheint auch nicht viel von demokratischen Grundsätzen zu halten. Dann müsste er dafür eintreten, dass der Mauer-Irrsinn in dieser Welt endlich beendet wird und eine offene Diskussion zwischen allen Bürgern nicht verhindert wird. Meinungen haben dort ihre Grenze, wo ordentliche Gerichte explizit feststellen, dass Grenzen überschritten worden sind. Weder ein Bischof Bätzing noch ein Parteifunktionär und auch kein Innenminister haben mehr zu entscheiden als die vom Gesetz vorgesehenen Gerichte.

Wenn Bischöfe, gleichgültig ob evangelisch oder katholisch oder ein Präses der evangelischen Kirche meinen, ihr eigenes Demokratie-Verständnis allen Mitbürgern überstülpen zu müssen, dann sollten sie sich auch nicht wundern, dass immer mehr Christen den Kirchen den Rücken kehren. Gegenwärtig kann man den Eindruck haben, als wenn die Kirchen einen erheblichen Teil dazu beitragen, dass diese Gesellschaft immer mehr gespalten wird und dadurch kein Friede, sondern immer mehr Unfriede entsteht.

Gerade, weil die Kirchen den Anspruch erheben, eine moralische Instanz sein zu wollen, muss man von ihnen erwarten, dass sie in einem offenen Diskurs zusammen mit ihren Gläubigen und damit auch mit den Bürgern nach Wegen zu suchen, wie bestehende Gegensätze in der Gesellschaft ausgeglichen werden können und wo Kurskorrekturen erforderlich sein könnten. Mit einer Brandmauer wird jedoch ein solcher Diskurs verhindert.

Wenn Kirchen Nächstenliebe, so wie es die Bergpredigt formuliert, predigen, sollten sie sich auch selbst daran orientieren und nicht Personen, die andere Auffassungen vertreten, ausgrenzen und sogar diffamieren.

Es wird Zeit, dass die Bürger erkennen, wem sie glauben und welchen Idealen sie folgen sollten. Diejenigen, das sind insbesondere die Kirchen, von denen man bisher ausging, dass sie sich um Wahrheit bemühen, scheinen dieser Aufgabe nicht mehr gerecht zu werden.

Es ist jedoch sehr tröstlich und lässt hoffen: Das freie Denken konnten, wenn wir es einmal historisch betrachten, weder Kirchen noch Parteien noch Regierungen verhindern. So wird es auch aktuell sein, es werden sich neue Perspektiven und Möglichkeiten entwickeln, die sich wieder ihre eigenen Vorbilder schaffen und den Versuch unternehmen, neue gesellschaftliche Strukturen zu entwickeln, die es den Bürgern wieder ermöglichen, ohne Hass und Einschränkung des Denkens ohne Brandmauern zu leben.


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Bischof Georg Bätzing spaltet die Gesellschaft

Der katholische Bischof Bätzing scheint sich immer mehr in einem Kämpfer gegen die „teuflische“ AfD zu gefallen und scheint dabei gar nicht zu bemerken, dass er sich immer mehr als Christ, der er doch als Bischof sein sollte, disqualifiziert. Böse Zungen werden sagen, wenn die katholische Kirche – gleiches gilt auch für die evangelische Kirche – die eigenen innerkirchlichen Probleme nicht mehr lösen kann, muss man sich neue Feindbilder erschaffen, um von dem eigenen Unvermögen abzulenken. Die Art und Weise, wie sich dieser Bischof mittlerweile parteipolitisch äußert, lässt für viele Kirchenmitglieder die Frage aufkommen, ob dieser Bischof sich doch nicht mehr um den Zustand seiner eigenen Kirche kümmern sollte. Die zweite Frage, die noch gefährlicher für die Kirche ist, lautet für viele Christen, ob sie dieser parteipolitisch eingefärbten Kirche überhaupt noch angehören sollten.

Ein neuer Höhepunkt der spalterischen Tätigkeit dieses Bischofs ist eine erneute Auseinandersetzung mit der AfD, die erwartungsgemäß nicht ohne eine Reaktion der angegriffenen Partei geblieben ist. Der Bischof – man sollte meinen, dass ein Bischof Hirte seiner Gläubigen und nicht ein politischer Agitator ist – verbreitete die Meinung, dass die AfD bei einer Regierungsübernahme gegen die Kirche arbeiten werde. Nun muss man dabei unterscheiden, ob eine Partei gegen christliche Kirchen eingestellt ist oder ob es sich um eine Auseinandersetzung handelt, die nicht das Christentum betrifft, sondern sich gegen eine organisatorische Einrichtung, die sich Kirche nennt, richtet. Einer Institution, die vorgibt christlich zu sein, in Wahrheit sich aber nicht christlich verhält, kann man nur noch mit kritischer Distanz begegnen. Einseitige Hetze gegen politisch Andersdenkende sind mit Sicherheit kein besonderer Hinweis auf christliches Verhalten. Denn was bedeutet es, wenn ein Bischof nicht mehr akzeptiert, dass die eigenen Kirchengemeinden Mitglieder haben, die sehr unterschiedliche parteipolitische Auffassungen vertreten und meint, ihm missliebige Gemeindemitglieder beschimpfen zu können. Wahrscheinlich ist es für Bischof Bätzing neu, dass es Persönlichkeiten gibt, die sich nicht mehr von Kirchenführern beschimpfen lassen und die deutlich zu erkennen geben, dass auch ein Bischof nicht sakrosankt ist.

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der AfD in Sachsen-Anhalt, Hans-Thomas Tillschneider brachte es auf den Punkt, indem er diesen Bischof mit dem Teufel in Verbindung brachte. Nachdem Bischof Bätzing wiederholt, dazu aufforderte, nicht die AfD zu wählen und feststellte: „Ich rate aber, diesen Spaltern nicht noch mehr Stimmen in unserem Land zu geben“, konterte Tillschneider: „Wer die klare Trennung zwischen Wahrheit und Irrtum, Licht und Dunkelheit, Rechtleitung und Irreführung als Spaltung kritisiert, ist kein Apostel Jesu Christi, sondern vom Teufel geschickt“. So neu ist dieser Gedanke nicht, hatte bereits Martin Luther den damaligen Papst Leo X. als Antichristen bezeichnet.

Tillschneider wies zurecht darauf hin, dass es unverständlich sei, wenn der Bischof ein Viertel, in Sachsen-Anhalt sogar die Hälfte der Bürger schlecht macht, gleichzeitig von einer gesellschaftlichen Spaltung redet. Und Tillschneider führte weiter aus, dass sich die katholische Kirche aktuell nicht mehr von der evangelischen Kirche unterscheidet, die ebenfalls meint, ein einseitiges parteipolitisches Weltbild verkünden zu müssen.

Tillschneider verwies gegenüber Bischof Bätzing auf den 2. Korintherbrief: „Der Satan verstellt sich als Engel des Lichtes“. Er traf damit das aktuelle Problem auf den Punkt.

Ausgesprochen weltlich kleinkariert kam die Erwiderung des Bischofs über seinen Pressesprecher, Mathias Kopp, der in einer Pressemitteilung der KNA wie folgt zitiert wird: „Ich frage mich ernsthaft, ob der stellvertretende Fraktionsvorsitzende heute Morgen falsch aufgestanden ist und zu heiß geduscht hat“. Er soll weitergesagt haben: „Wer von Euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie.“ Wenn das die einzige Reaktion eines Bischofs auf ein grundsätzliches Problem sein sollte, dann würde es zeigen, wie substanzlos die Argumentation einiger katholischer Bischöfe aktuell geworden ist. Und das wäre ein erschreckender Befund über diese Kirche, die damit zu erkennen geben würde, dass sie keine Zukunft mehr hat. Dies wollen wir allerdings jetzt noch nicht glauben.


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Aktuell überschätzen sich die Kirchen maßlos

Eigentlich hätte man denken können, dass die Kirchfunktionäre beider Kirchen nach der Bundestagswahl etwas in sich gegangen wären. Sie hätten sich vielleicht einmal fragen sollen, ob sie mit ihrer grundgesetzverachtenden Ausgrenzung von Kirchenmitgliedern wirklich dem Christentum einen Dienst erweisen. Immerhin ist es mehr als irritierend, dass die Kirchen sich anmaßen darüber zu entscheiden, wer ihrer Meinung nach Christ sei oder auch nicht. Das Entfernen von Christen, die als Mitglied einer demokratischen und nicht verbotenen Partei angehören aus Ämtern der Kirche, ist ungeheuerlich. Dies trifft sogar auch auf ehrenamtlich tätige Christen in der evangelischen und katholischen Kirche zu. Abgesehen davon, dass ein solches Verhalten von Kirchenfunktionären eine Missachtung des Grundgesetzes unseres Landes darstellt, stellt sich weiter die Frage, ob hier Kirchenfunktionäre ihre Macht missbrauchen. Aktuell haben viele Christen Zweifel, ob die gegenwärtig agierenden Bischöfe Geistliche und Seelsorger oder vielmehr Funktionäre einer Organisation, die alles niedermacht, was von dem aktuellen politischen Mainstream abweicht, sind. Vielleicht sollten sie sich wieder verstärkt um Demut bemühen und nicht ihren Mitgliedern vermitteln, dass nur die Geistlichen wüssten, was richtig oder falsch sei.

Offensichtlich sind die Gene der früheren Kirche des Mittelalters, noch immer vorhanden. Bekämpfte man früher die Hexen, so bekämpft man heute die Teufel der AfD. Heute wird keine Hexe mehr in den Fluss geworfen und ertränkt, weil sie sich nicht dazu bekannt hatte, eine Hexe zu sein. Heute verfolgt die Kirche mit ihrem Kirchenbann subtiler und staatskonform. Die betroffenen Teufel werden sozial ausgegrenzt und geächtet. Denn nichts anderes geschieht, wenn man Christen, die Mitglied oder Funktionsträger der AfD sind, aus ihren Kirchenämtern entfernt.

Aber im Gegensatz zum Mittelalter sind die Christen heute nicht mehr von kirchlichen Würdeträgern, sei es Bischöfe, Prälaten oder Gemeindepfarrer abhängig. Sie wissen, dass auch diese Herrschaften keinesfalls allein eine Verbindung zu Gott haben und damit allein in der Lage wären, zu bestimmen, was ihre „Gläubigen“ zu denken und zu wählen haben. Um Christ zu sein, benötigt es nicht eine Organisation, die behauptet, sie stelle die transendente Verbindung zwischen Gott und den Menschen her, in Wahrheit aber mehr die Verbindung zu den politischen Herrschenden pflegt. Das Ergebnis kann jeder bei den Zahlen der Kirchenaustritten aus beiden Kirchen betrachten. Man darf durchaus davon ausgehen, dass der Austritt aus diesen Kirchen keinesfalls eine Abwendung vom Christentum bedeutet.

Jetzt beklagt der Kirchenfunktionär Bätzing das hohe Abschneiden der AfD bei der Bundestagswahl. Er sollte sich vielmehr einmal die Frage stellen, woran dies liegt und ob er nicht selbst mit seinen Worten und seinem Handeln vor der Wahl dazu beigetragen hat, dass die Christen nicht nur den Blockparteien, sondern auch den Kirchen selbst die rote Karte zeigen.

Anstatt weiter gegen Andersdenkende zu hetzen, sollten die Kirchen endlich einmal das Christentum ernst nehmen und akzeptieren, dass alle Menschen guten Willens einen Platz in der Kirche haben sollten. Grenzen kann eine Kirchenorganisation nur dort setzen, wo klar gesetzliche Normen nicht beachtet werden oder mit Gewalt der Versuch unternommen wird, eine bestimmte Meinung durchzusetzen. Die Beantwortung der Frage, welche politische Partei verfassungswidrig ist und verboten werden müsste, sollten die Kirchen der Institution überlassen, die dafür zuständig ist. Zuständig sind nicht die Kirchen, sondern einzig und allein das Bundesverfassungsgericht.

Vielleicht müssen die Bischöfe einmal wieder mehr ihren Blick in das Grundgesetz richten, von der Bergpredigt im Neuen Testament scheinen sie ohnehin nichts zu halten.



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Ein Nachruf auf den sogenannten synodalen Weg

Mit der fünften Veranstaltungsreihe des sogenannten „Synodalen Weges“ ist nun ein wahrscheinlich nur vorläufiger Abschluss erreicht worden.
Betrachtet man das Ergebnis dieser mit großen Erwartungshaltungen versehenen Prozesses, dann muss man feststellen, dass das Urteil darüber sehr unterschiedlich ausfallen wird. Es wird wesentlich von der jeweiligen Betrachtungsweise abhängen und welche Erwartungshaltungen damit verknüpft werden.

Bezeichnend sind dazu auch die abschließenden Erklärungen der beiden obersten Repräsentanten dieser Veranstaltung. Gemeint sind die Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Irme Stetter-Karp und der der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz Bischof Georg Bätzing.

Bischof Bätzing stellte fest, dass für viele Christen nun ein Signal ausgehe, dass etwas vorangehe, während Frau Stetter-Karp bedauerte, dass es nicht gelungen sei, eine strukturelle Veränderung der Kirche erreicht zu haben.

Nun kann man dazu auch feststellen, dass das Wissen darum, dass etwas vorangehe, für sich betrachtet, noch keine Aussage ist, mit der man etwas anfangen könnte. Ein großer Teil der katholischen Christen wird mit der Feststellung des Bischofs die Hoffnung haben, dass sich eine positive Entwicklung in der Kirche zeigt, die wieder zu einem Stopp des Mitgliederschwundes führt. Ein anderer Teil der Gläubigen wird sich bestätigt fühlen, dass die jetzt zu erkennende Entwicklung weiter in den Abgrund führt und die katholische Kirche weiter schwächen wird.

Was bleibt jetzt von dem großen Aufwand und von der großen Ankündigung die katholische Kirche zu reformieren? Bei einer objektiven Betrachtung ist das Ergebnis deprimierend, allerdings auch nicht überraschend. Es ist schon bemerkenswert, dass die vorgesehene Möglichkeit der Segnung von homosexuellen Paaren durch einen Priester, die zwar von den deutschen Bischöfen mitgetragen wird, die aber erst dann erfolgen kann, wenn Rom diesem Anliegen auch zugestimmt hat, als große Errungenschaft dieses synodalen Prozesses gefeiert wird. Nicht anders verhält es sich mit dem Beschluss, dass die Bischöfe den Papst bitten sollen, Frauen auch als Diakone zu berufen. Auch hier ist dies zum gegenwärtigen Zeitpunkt nichts als ein frommer Wunsch, der erst dann erfüllt werden kann, wenn der Papst dem zustimmt.

Es ist sehr bedauerlich, dass aus den großen Ankündigungen zu Beginn des sogenannten synodalen Weges so wenig geworden ist. Aber hier sieht man sehr deutlich, dass das Formulieren von Wünschen und Erwartungen eine Sache ist, das Erreichen solcher Ziele aber auch Sachverstand und vielleicht auch etwas mehr Selbstkritik erfordert, wenn es von Erfolg gekrönt sein soll.

Der Hauptfehler des ganzen Projekts scheint in der Bündelung sämtlicher Probleme zu liegen, die man glaubte, auf einmal regeln zu können. Die notwendige Veränderung von Strukturen in der Kirche in einen Topf mit dem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Priester zu verbinden, war nicht nur dumm, sondern auch unredlich. Kriminelles Verhalten ist durch die vom Gesetzgeber vorgesehenen Institutionen aufzuklären und strafrechtlich zu verfolgen. Dies mit einer möglicherweise notwendig werdenden Strukturveränderung der Kirche zu verbinden ist, sehr zurückhaltend formuliert, ungeschickt. Organisationsfragen werden durch die kriminellen Handlungsweisen einiger Prieser zusätzlich emotional aufgeheizt, so dass eine sachliche Erörterung eines wichtigen Themas, wie es die Veränderung der Organisationsstruktur der Kirche ist, kaum möglich ist. Was aber der größte Fehler gewesen ist, war die maßlose Arroganz, aus der die gesamte Diskussion begonnen wurde. Sowohl die Bischöfe als auch die sogenannten Laien schienen davon auszugehen, dass die katholische Kirche in Deutschland der Nabel der Welt sei und dass Vorstellungen, die hier geäußert werden, von allen anderen Teilen der Weltkirche sofort aufgegriffen werden. Hier haben sich die Vertreter der Kirche in Deutschland genauso verhalten, wie die Politiker, die den Bürgern in Deutschland weißmachen wollen, Deutschland könne sich zum Schulmeister der Welt aufschwingen. So wie diese Politiker Deutschland mittlerweile in eine Bedeutungslosigkeit manövriert haben, haben dies jetzt auch die Repräsentanten der Kirche – wobei es dabei keinen Unterschied zwischen den Klerikern und den Laien gibt – für den kirchlichen Bereich gemacht.

Richtig wäre es gewesen, wenn die Initiatoren des sogenannten synodalen Wegs, sich wirklich um eine Synode gekümmert hätten. Diese kann aber nicht lokal in jedem einzelnen Land der Weltkirche erfolgten, sondern muss von Rom aus erfolgen, denn dort gehört sie hin. Warum haben sich die Bischöfe und die Laien um diesen Weg nicht intensiv bemüht?

Jetzt kann man nur noch hoffen, dass der Heilige Geist mit seiner Kirche ein Einsehen hat und alle wieder dazu bringt, sich wieder mit dem Wesentlichen zu befassen, was Kirchen schlechthin ausmachen: In Demut und Glauben, sich um die Seelen ihrer Gläubigen wieder zu sorgen – also wieder die Seelsorge in den Mittelpunkt ihres Dienstes zu stellen.