Jens Spahn ist über seine eigene Unaufrichtigkeit gegenüber den Wählern der CDU gescheitert. Es wirkt wie eine Missachtung der Bürger, wenn ein führender Parteivertreter politische Entscheidungen mitträgt, an die er sich selbst nicht hält. Spahn hat erneut gezeigt, dass die CDU ein Glaubwürdigkeitsproblem hat: Zwischen dem, was man den Bürgern abverlangt, und dem, was man selbst praktiziert, klaffen erhebliche Widersprüche.
Besonders peinlich ist der Umgang der Parteiführung mit der jüngsten Affäre. Der CDU‑Vorsitzende und Bundeskanzler gratulierte Spahn zunächst öffentlich zu seiner „Vaterschaft“, nur um einen Tag später zu erklären, dass er dieses Verhalten nicht dulden könne. Diese Kehrtwende wirkt weniger wie persönliche Einsicht, sondern eher wie parteipolitisches Kalkül — aus Angst, weitere Stimmen zu verlieren. Die Bürger konnten erneut beobachten, wie unglaubwürdig die CDU geworden ist.
Mit Blick auf die bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen‑Anhalt, Mecklenburg‑Vorpommern und Thüringen ist das Verhalten eines der wichtigsten CDU‑Repräsentanten eine politische Katastrophe. Spahn schien besonders clever sein zu wollen, als er die Nachricht über die Geburt des Kindes erst nach Beginn der parlamentarischen Sommerpause veröffentlichte. Offenbar hat er die politische Brisanz im Hinblick auf die anstehenden Wahlen unterschätzt.
So haben Spahn und Merz gemeinsam einen Scherbenhaufen für die CDU angerichtet, dessen Folgen derzeit nicht absehbar sind.
Was in der öffentlichen Diskussion jedoch kaum berücksichtigt wird — und warum ich persönlich froh bin, dass Spahn keine politische Vorbildfunktion mehr beanspruchen kann — ist die Situation des Kindes. In der Debatte geht es fast ausschließlich um die Befindlichkeiten der Erwachsenen. Im konkreten Fall um zwei Männer, die den Wunsch haben, ein eigenes Kind aufzuziehen. Dass diesem Kind von Anfang an die Mutter fehlt, die nach wissenschaftlicher Erkenntnis für die frühe Entwicklung von großer Bedeutung ist, spielt in der öffentlichen Bewertung kaum eine Rolle.
Auch die späteren Fragen des Kindes — Wer bin ich? Wo komme ich her? Wer ist meine Mutter? — scheinen für Spahn und seinen Partner keine erkennbare Bedeutung zu haben. Sie freuen sich aktuell darüber, nun eine „Familie“ zu sein. Die Rolle der Frau, die das Kind ausgetragen hat, bleibt weitgehend unsichtbar. Es handelt sich um eine erwachsene Frau, die selbst entscheiden muss, was sie tut — und die dies vermutlich nicht ohne finanzielle Gegenleistung getan hat.
Diese Praktiken wirken wie ein Eingriff in die natürliche Ordnung menschlicher Fortpflanzung. Sie erinnern an technische Verfahren, bei denen biologische Prozesse funktionalisiert werden. Das hinterlässt ein unangenehmes Gefühl, weil hier Menschen in Bereiche eingreifen, die zutiefst existenziell sind — und letztlich eine Art „Schöpfung“ simulieren.
Politiker, die solche Wege für sich wählen, mögen dies tun. Aber Vorbilder für die Gesellschaft sollten sie nicht sein.