Aktuell scheint sich in Deutschland ein merkwürdiges gesellschaftliches Klima zu entwickeln, das nichts Gutes für die Zukunft erwarten lässt. Die Wahl eines AfD-Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt scheint zu einem Signal für einen verschärften Machtkampf politischer Kräfte zu werden, die meinen, nun die Demokratie in Deutschland retten zu müssen. Die Bürger haben lange Zeit kaum wahrgenommen, dass zwischen den Parteien mittlerweile ein erbitterter Kampf um die Meinungsführerschaft entbrannt ist. Dabei wird immer deutlicher, dass insbesondere linke politische Kräfte versuchen, einen bevorstehenden Wandel der politischen Mehrheitsverhältnisse in Deutschland aufzuhalten.
Für die SPD, die Grünen und die Linken war es bisher möglich, ihre politische Agenda durchzusetzen, ohne selbst über eine Mehrheit der Wähler zu verfügen. Mit Hilfe der CDU, die sich stringent an die von links geforderte „Brandmauer“ gehalten hat, verfügten diese Parteien über eine politische Dominanz, die alternative Entwicklungen weitgehend ausschloss. Durch die aktuellen Verhältnisse in Sachsen-Anhalt scheint diese Konstellation jedoch aufgeweicht zu werden, sodass erkennbar Bestrebungen bestehen, eine solche Entwicklung zu verhindern.
Was nun zusätzlich bei vielen Bürgern Verwunderung auslöst, ist die Parteinahme von Unternehmen, von denen man eigentlich erwarten sollte, dass sie sich in erster Linie an ihrer wirtschaftlichen Aufgabe orientieren. Schließlich tragen sie Verantwortung für Arbeitsplätze, Investitionen und den Absatz ihrer Produkte.
Es grenzt bereits an einen Dammbruch, wenn sich eine Weltfirma wie BMW in die allgemeine parteipolitische Auseinandersetzung einmischt, indem sie unmittelbar nach der Wahl des AfD-Landtagspräsidenten Rausch in Sachsen-Anhalt den auslaufenden Leasingvertrag für dessen Dienstwagen nicht mehr verlängert. Eine solche Entscheidung ist selbstverständlich das Recht des Unternehmens. Dennoch erscheint sie fragwürdig, wenn man die möglichen wirtschaftlichen Folgen betrachtet. Man sollte ernsthaft die Frage stellen, ob große Unternehmen ihre Geschäftsbeziehungen von politischen Bewertungen abhängig machen sollten oder ob sie sich auf ihre eigentliche wirtschaftliche Aufgabe konzentrieren sollten.
Sollte sich zeigen, dass politische Entscheidungen wirtschaftliche Nachteile verursachen, wird sich zwangsläufig auch die Frage stellen, wie Aktionäre eine solche Unternehmenspolitik bewerten.
Die AfD ist eine demokratisch gewählte Partei, und auch die Wahl des Landtagspräsidenten erfolgte demokratisch in geheimer Abstimmung. Insofern scheint mir BMW im vorliegenden Fall moralisch deutlich überzureagieren. Natürlich hat jedes Unternehmen das Recht, selbst zu entscheiden, mit wem es Verträge abschließt oder nicht. Es ist aber ebenso das Recht der Betroffenen, auf ein solches Verhalten aufmerksam zu machen und ihrerseits über künftige Geschäftsbeziehungen zu entscheiden.
Im vorliegenden Fall sollte man allerdings nicht dabei stehen bleiben, über das Verhalten eines Unternehmens zu lamentieren, sondern konsequent handeln und sich Produkten zuwenden, die die gleichen fachlichen Anforderungen erfüllen. Diese müssen nicht zwingend aus Deutschland stammen, denn vergleichbare Fahrzeuge werden weltweit hergestellt.
Insofern ist es durchaus eine interessante Idee der AfD, bei Tesla nachzufragen, ob das Unternehmen bereit wäre, den Landtag von Sachsen-Anhalt künftig mit Fahrzeugen auszustatten. Für Tesla wäre dies eine gute Werbung. BMW wiederum scheint von der moralischen Richtigkeit seiner Entscheidung so überzeugt zu sein, dass man dort gegebenenfalls auch in Kauf nimmt, dass sich Kunden künftig für andere Produkte entscheiden.