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Die erstaunliche Kehrtwende der Familienunternehmer-Präsidentin

Marie‑Christine Ostermann galt vielen als seltene Stimme wirtschaftlicher Unabhängigkeit. Als sie Vertreter der AfD zu einer Veranstaltung ihres Verbandes einlud, schien sie ein Zeichen zu setzen: Verbände sollten mit allen demokratisch gewählten Kräften sprechen dürfen. Dass sie dafür sofort massiven politischen und medialen Druck erlebte, überraschte niemanden. Überraschend war jedoch, wie schnell sie sich von ihrer eigenen Position distanzierte.

Im Deutschlandfunk-Interview zeigte Ostermann zunächst deutliche Kritik an der Wirtschaftspolitik der Bundesregierung. Sie sprach über hohe Steuern, Energiepreise, Bürokratie und die drohende Belastung durch eine mögliche Erhöhung der Erbschaftsteuer. Ihre Analyse war klar: Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gefährden die Zukunft vieler Familienunternehmen.

Doch als der Moderator das Thema „Brandmauer“ ansprach, vollzog Ostermann eine bemerkenswerte Wendung. Obwohl sie zuvor betont hatte, dass demokratischer Diskurs Offenheit gegenüber unterschiedlichen Positionen erfordert, übernahm sie plötzlich die gängigen Abgrenzungsformeln. Ihre Aussagen wirkten weniger wie eine Überzeugung als wie eine Pflichtübung — ein Versuch, sich gegenüber politischen und verbandlichen Erwartungen zu entlasten.

Gerade von einer Präsidentin eines Unternehmerverbandes hätte man mehr Standfestigkeit erwartet. Wer zuvor Gesprächsoffenheit als demokratische Notwendigkeit bezeichnet, sollte diese Haltung nicht aufgeben, sobald sie unbequem wird. Die Kehrtwende Ostermanns hinterlässt den Eindruck, dass in Deutschland weniger die Überzeugung zählt als die Angst vor Sanktionen. Für eine offene demokratische Kultur ist das ein schlechtes Zeichen.