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Wer mit Waffen handelt, muss damit rechnen, dass ihn die Waffen töten

Wenn nicht im Internet ausführlich über einen Vorgang berichtet worden wäre, der sich in Kiew ereignete, hätte man die Meldung im Deutschlandfunk fast überhört. Dort war lediglich zu erfahren, dass es einen russischen Raketenangriff nahe Kiew gegeben habe, bei dem mehr als zehn Menschen ums Leben kamen und über hundert schwer verletzt wurden.

Eine genauere Recherche zeigt jedoch: Russland hat ein Gelände außerhalb von Kiew mit einer ballistischen Rakete gezielt angegriffen. Auf diesem Gelände fand eine Veranstaltung der ukrainischen Rüstungsindustrie statt — eine Art Waffenmesse, bei der Drohnen vorgeführt und Waffengeschäfte verhandelt wurden.

Anwesend waren laut russischen Angaben Drohnenentwickler, Kommandeure der ukrainischen Drohnenstreitkräfte, Geheimdienstmitarbeiter und Vertreter ausländischer Firmen. Russland behauptet, dort seien Drohnen präsentiert worden, die für Angriffe auf zivile Ziele in Russland eingesetzt würden. Das ist die russische Darstellung — aber sie deckt sich mit der Tatsache, dass es sich um eine militärisch relevante Veranstaltung handelte.

Man darf davon ausgehen — Genaueres weiß man noch nicht — dass unter den ausländischen Teilnehmern auch westliche Firmenvertreter, möglicherweise sogar Militärs, anwesend waren.

Gesichert ist: Mitten im Kriegsgebiet fand eine Waffenmesse statt. Die Sicherheitsmaßnahmen waren entweder mangelhaft oder man ging davon aus, dass die Geheimhaltung ausreiche, um Russland im Unklaren zu lassen.

n‑tv berichtet, dass der genaue Ort geheim sein sollte, aber möglicherweise vorab in sozialen Netzwerken angekündigt wurde — und dass keine Schutzräume für die Teilnehmer vorgesehen waren.

Die Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren wegen Fahrlässigkeit mit Todesfolge eingeleitet. Es wird untersucht, wer die Veranstaltung genehmigt hat, ob die Gefahrenlage korrekt bewertet wurde und ob organisatorische Fehler vorlagen.

Man könnte nun lakonisch sagen: „So ist eben Krieg.“ Doch dieser Vorgang zeigt etwas anderes.

Auch westliche Regierungschefs — Friedrich Merz, Emmanuel Macron, der deutsche Verteidigungsminister Pistorius und andere — sind wie Touristen mit der Bahn nach Kiew gereist, mitten ins Kriegsgebiet. Dort verhandelten sie mit dem ukrainischen Präsidenten und vermutlich auch mit Militärs darüber, wie der Krieg gegen Russland effektiver geführt werden könne. Ursula von der Leyen war ebenfalls dort und gab finanzielle Zusagen.

Man konnte den Eindruck gewinnen, als reisten westliche Politiker durch ein fremdes Kriegsgebiet, als sei es ihr eigenes Staatsgebiet. Insofern reiht sich der jetzt bekannt gewordene Vorgang nahtlos in einen politischen Besuchstourismus ein, der offenbar auch Waffenvorführungen einschließt.

Viele — und ich schließe mich ausdrücklich ein — finden es ungeheuerlich, mit welcher Selbstverständlichkeit solche Zusammenkünfte in einem Kriegsgebiet stattfinden. Aus einem solchen Verhalten kann man nur schließen, dass westliche Politiker und Firmenvertreter in maßloser Selbstüberschätzung und kaum zu überbietender Arroganz meinen, sie seien bereits die Herren über die Ukraine — und Russland sei so unbedeutend, dass man dessen Interessen ignorieren könne.

Ich habe mich oft gefragt, was geschehen wäre, wenn bei einem solchen Besuch — wie dem am Rande von Kiew — der deutsche Bundeskanzler von einem Geschoss getroffen worden wäre. Fühlte er sich wirklich so sicher? Oder nahm er billigend in Kauf, dass ein militärischer Zwischenfall, bei dem er selbst zu Schaden gekommen wäre, einen Weltkrieg hätte auslösen können?

Auch diese Veranstaltung reiht sich in den bisherigen Ukraine‑Tourismus westlicher Vertreter ein.

Aus russischer Sicht war das Treffen ein militärisches Ziel und vermutlich ein Ort der Planung von Angriffen auf Russland (russische Darstellung). Der Angriff war daher — für sich genommen — militärisch und politisch nachvollziehbar. Das gilt selbst dann, wenn der Krieg gegen die Ukraine formal ein Angriffskrieg ist. Angriffe erfolgen selten aus einem luftleeren Raum, sondern haben einen langen Vorlauf und damit eine Begründung.

Für die Betroffenen und Hinterbliebenen ist das Geschehen tragisch. Aus militärischer Sicht wird man sagen: Die Beteiligten hätten wissen müssen, was sie tun.

Der Vorgang zeigt hoffentlich für die Zukunft, dass auch der Westen gegenüber Russland vorsichtiger agieren sollte. Man kann ein Spiel übertreiben — und diesmal muss man feststellen, dass genau das geschehen ist. Russland sollte nicht immer weiter provoziert werden, denn aus einer einzelnen Rakete könnte eines Tages eine Rakete mit atomarem Sprengsatz werden, die nicht Richtung Kiew, sondern Richtung Westen fliegt.

Die Toten dieser „Waffenmesse“ sollten eine Warnung sein.

 


Von Bornemann

Dipl.- Sozialarbeiter
Mitglied im Verband Deutscher Pressejournalisten
Studium Sozialarbeit
AKAD Management-Fernstudium
Ergänzungsstudium Wirtschaftsphilosphie

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