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Wie eine Gedenkfeier entwürdigt werden kann

Die Feierlichkeiten zum Gedenken an die Attentäter des 20. Juli im Bendlerblock offenbarten in diesem Jahr erneut das tiefe Zerwürfnis innerhalb der gesellschaftlichen Gruppen in Deutschland. Es ist erschreckend, wenn der Großneffe des NS‑Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer jeglichen Anstand verlässt und seinen Missmut über die Kranzniederlegung einer demokratisch zugelassenen Bundestagspartei dadurch ausdrückt, dass er den Kranz der AfD entfernt. Ein solcher Stil hat – soweit ersichtlich – in Deutschland bislang keinen Präzedenzfall. Er zeigt, wie bei einigen Persönlichkeiten, die sich selbst als moralische Instanz oder geistige Elite dieses Landes verstehen, der Hass gegenüber politisch Andersdenkenden inzwischen so ausgeprägt ist, dass selbst bei einem Totengedenken grundlegende mitteleuropäische Verhaltensstandards nicht mehr eingehalten werden.

Man darf die Frage stellen, ob dieser Großneffe dem Gedenken an die Widerstandskämpfer gegen Hitler nicht schweren Schaden zugefügt hat, indem er die Feier durch sein Verhalten regelrecht entwürdigte.

Noch unverständlicher ist die nachträgliche Kritik des Vorsitzenden der Weiße‑Rose‑Stiftung, Kronawitter, der für das Handgemenge bei der Gedenkfeier Verständnis äußerte. Während Bonhoeffer im Affekt und spontan seine Beherrschung verlor, äußerte Kronawitter seine Bewertung erst einen Tag später – was nahelegt, dass es sich nicht um eine Affekthandlung, sondern um eine bewusste Haltung handelt. Wenn Repräsentanten des öffentlichen Lebens nun meinen, beurteilen zu dürfen, wer berechtigt ist, einen Kranz zum Gedenken an Widerstandskämpfer niederzulegen, dann stimmt etwas Grundlegendes in unserer gesellschaftlichen Kultur nicht mehr.

Vor Toten sollte man mehr Respekt haben und seinen persönlichen Missmut für einige Stunden zurückstellen. Das wäre ein Zeichen wirklicher Größe – doch diese scheint bei vielen Repräsentanten unseres Landes nicht mehr selbstverständlich zu sein.

Von Bornemann

Dipl.- Sozialarbeiter
Mitglied im Verband Deutscher Pressejournalisten
Studium Sozialarbeit
AKAD Management-Fernstudium
Ergänzungsstudium Wirtschaftsphilosphie

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