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Kniefall als Zeichen der Demut und der Bitte um Vergebung oder ein mittlerweile zur Lächerlichkeit verkommenes Theater?

Die zunehmende Polarisierung der Bevölkerung in Deutschland, hat dazu geführt, daß viele Bürger meinen, ihre persönliche Einstellung zu Themen der Politik und allgemeiner ethischer Fragen sichtbar zum Ausdruck bringen zu müssen. Nun ist grundsätzlich zu akzeptieren, daß es unterschiedliche Meinungen gibt, es kann aber wahrgenommen werden, daß es oft nicht mehr nur darum geht, anderen zu zeigen, wie man denkt und welche politischen oder sonstigen Präferenzen man hat, sondern durch aktives Tun andere zu agitieren, anderen deutlich zu machen, daß sie eine falsche Einstellung haben bis hin, anderen zu sagen, daß man mit ihnen aufgrund ihrer Einstellung nichts zu tun haben will.

Druck kann man auch nonverbal, durch sichtbare Zeichen, Symbole oder durch eine sichtbare nonverbale Verachtungshaltung gegenüber  Andersdenkenden erzeugen. Solche Techniken, die sowohl von staatlichen und kommunalen Stellen, aber auch von staatlich geförderten Vereinen, deren Hauptaufgabe die gesellschaftspolitische Beeinflussung der Bürger zu sein scheint, werden geradezu virtuos praktiziert und als „zivilgesellschaftliches Engagement“ den Bürgern verkauft. Was damit erreicht wird, ist keinesfalls eine positive gesellschaftliche Entwicklung, sondern das Produzieren von Gegensätzen bis hin zur Feindschaft von Personen, von denen jede glaubt, auf der richtigen Seite mit der richtigen „Haltung“ zu stehen.

Unabhängig von den unterschiedlichen politischen Auffassungen der Bürger gab es bisher einen Konsens in der Gesellschaft, nämlich daß es neutrale Freiräume geben mußte, in denen eine politische Agitation nicht zu erfolgen hatte. Zu diesen Bereichen gehörten Universitäten und Hochschulen, die sich auf die Freiheit der Wissenschaft berufen konnten und frei waren, Denkfreiräume nicht einzuengen. Auch die Schulen sollten sich politisch neutral verhalten, damit ein Lernklima nicht durch ideologische Indoktrination zerstört wird. Ein weiterer Bereich, wo die Politik keine Rolle spielen sollte, war der Sport. Besonders sind die Olympischen Spiele hervorzuheben, bei denen es ausschließlich um den „edlen sportlichen“ Wettkampf der Jugend gehen sollte, so daß während dieser Zeit alle Auseinandersetzungen zwischen den Völkern ruhen sollten.

Die offensichtlich zielstrebig durch die öffentlichen Medien erfolgte Polarisierung der Bevölkerung – wenn man den Bürgern immer eine bestimmte politische Richtung kommuniziert, dann müssen die Bürger schließlich glauben, daß nur diese Meinung richtig ist – meinen nun viele Gruppen in einer Art vorauseilendem Gehorsam, ebenfalls ihren Mitmenschen zeigen zu müssen, was richtig und falsch sei. Ein besonderes negatives Beispiel ist die deutsche Fußball-Nationalmannschaft, die sich vielleicht besser auf ihre sportliche Leistung hätte besinnen sollen, als vermeintliche Haltungssignale zu zeigen, die im Ergebnis nur noch als peinlich und lächerlich angesehen werden müssen. Besonders das Tragen der Schwulen- und Lespenfarben an der Armbinde des Spielführers der deutschen Mannschaft muß kritisch hinterfragt werden. Letztlich hat Manuel Neuer mit dem Tragen der sogenannten Regenbogenfarben-Binde durch sein Verhalten massiv zur Ausgrenzung Andersdenkender beigetragen. Es mag ja Neuers Haltung sein, sich besonders für die Interessen Schwuler und Lespen einsetzen zu wollen. Wenn er dies aber in seiner Funktion als Spielführer einer Nationalmannschaft durch das Tragen eines besonderen Symbols während eines Fußballspieles glaubte zum Ausdruck bringen zu müssen, dann nimmt er billigend in Kauf, einen großen Teil von Personen zu mißachten, die eben nicht seine Auffassung teilen. Die Mehrzahl der Bürger in Deutschland begegnen unvoreingenommen Schwulen und Lespen und anderen Personen mit außergewöhnlichen sexuellen Vorlieben. Damit müssen sie aber solche Praktiken für sich nicht gut finden und vor allen Dingen, müssen sie diese Praktiken nicht als Maßstab des allgemeinen Handelns der Gesellschaft ansehen. Was das bei einem sportlichen Wettkampf zu suchen hat, ist kaum nachzuvollziehen.

Noch schlimmer muß aber der sogenannte „Kniefall“ von Sportlern gesehen werden, die meinen, durch einen Kniefall auf Probleme einer Minderheit hinweisen zu müssen, wobei diese Minderheit zumindest in Deutschland in keiner Weise verfolgt wird und jeder in Deutschland sich sexuell ausleben kann, wie er es meint, machen zu müssen. Ein Tabu ist jedoch die Einbeziehung von minderjährigen Kindern, aber hier kann man nur hoffen, daß es dafür noch einen gesellschaftlichen Konsens gibt.

Der Kniefall wurde in der Öffentlichkeit als politische Demonstration erstmalig von Willy Brand im Jahre 1970 anläßlich seines Besuches in Polen praktiziert. Der deutsche Bundeskanzler unterzeichnete am 7. Dezember 1970 den Warschauer Vertrag, der das Verhältnis zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Polen regeln sollte. Er legte am Vormittag dieses Tages einen Kranz am Mahnmal des Warschauer Ghettos nieder und gedachte der seinerzeit eingesperrten Juden und deren verzweifelten Kampf, sich gegen die nationalsozialistischen Verbrecher aufzulehnen. Aus einer tiefen emotionalen Ergriffenheit und wahrscheinlich auch aus dem Gefühl einer unendlichen Schuld des deutschen Volkes heraus, kniete Willy Brand vor diesem Denkmal.

Das theatermäßige Kopieren einer solchen, aus tiefem Herzen geborenen Handlung zu mißbrauchen, um jetzt in einem theatermäßigen Auftritt eine solche Handlung auf dem Fußballplatz durchzuführen, ist eine Beleidigung von Persönlichkeiten, die sich mit den Folgen der Geschichte auseinandergesetzt haben und noch viel mehr eine Beleidigung der vielen Menschen, die wirklich Verbrechern zum Opfer gefallen sind, wie die Juden im Warschauer Ghetto.

Hier hätte der Bundestrainer rechtzeitig diesen Möchtegern-Ethikern deutlich sagen müssen, daß sie doch bei ihren Leisten bleiben sollten. Insofern ist es gut, daß die deutsche Fußballmannschaft nicht mehr an der Europameisterschaft weiter teilnehmen konnte, weil ihr Auftritt nur noch als peinlich empfunden werden kann. Und dies hat mit Sport nichts zu tun!

 

 

 

Von Bornemann

Dipl.- Sozialarbeiter
Mitglied im Verband Deutscher Pressejournalisten

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