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Denken, Sprache und die Übersetzungsfrage bei Descartes – eine philosophische Abhandlung, die man lesen sollte.

Das kleine Büchlein von Achim Elfers mit der Überschrift „Denken, Sprache und die Übersetzungsfrage bei Descartes“ ist intellektuell eine erhebliche Herausforderung. Es ist inhaltlich nur dann zu verstehen, wenn Mindestkenntnisse über das Wirken Descartes vorhanden sind und ein intensiveres Verständnis über die Struktur und das Wirken der Sprache besteht. So war es für den Rezensenten eine echte Herausforderung, die von Achim Elfers sehr klug formulierte Darstellung der Nutzung der Sprache durch Descartes, der die Sprache benutzte, um seine eigene Philosophie zu formulieren, die Sprache aber allenfalls als notwendiges Werkzeug ansah, über das es sich nicht lohnte, darüber weiter philosophisch nachzudenken. Und hier gibt es eine direkte Verbindung zu dem Handeln von Descartes und den heutigen Menschen. Viele benutzen die Sprache zwar bewusst, sind sich aber über den tatsächlichen Wert und den Hintergrund der Sprache kaum im Klaren. Auch sie versuchen die jeweiligen Wurzeln der Sprache nicht weiter zu erkunden.

Schon die einzelnen Überschriften der Abschnitte im Buch geben einen Hinweis, worum es Elfers geht. Im Zentrum steht das Denken an sich sowie das Denken im Zusammenhang mit der Sprache. Denken und Sprache stehen in einem engen Verhältnis, denn ohne Sprache ist es schwerlich das Gedachte anderen zu vermitteln. Andererseits – und das erscheint mir bei Elfers zu kurz zu kommen – wird Sprache auch sehr trivial als „Handwerkzeug“ eingesetzt, ohne dass sich die Nutzer der Sprache inhaltlich mit der Sprache näher befassen. Dabei ist an die Therapeuten und alle Professionen zu denken, die nur dann tätig sein können, wenn sie die Sprache benutzen.

Elfers’ Schrift lässt sich auf eine zentrale Grundthese zurückführen: Descartes trennt Denken und Sprache zu stark, und diese Trennung ist philosophisch nicht haltbar. Denken wird – so Elfers – als rein innerer Vorgang betrachtet. Für Descartes ist Denken eine geistige Aktivität, die unabhängig von Sprache stattfindet. Sprache ist also nur ein Werkzeug, das etwas vermittelt. Elfers weist jedoch darauf hin, dass Sprache kein neutrales Werkzeug ist. Die Sprache erzeugt Bedeutungen, sie strukturiert Denkprozesse und sie formt Wahrnehmungen. Hier könnte jedoch die Frage gestellt werden: Können Menschen, die nicht sprechen können, nicht denken?

Es geht in der Schrift bei Elfers um die tiefen philosophischen Fragen, die von Descartes anders als von Elfers gesehen werden. Um den Inhalt dessen, was Elfers zum Ausdruck bringt, verstehen zu können, ist es zwingend notwendig, sich intensiv mit der Philosophie Descartes’ zu befassen, um die Gegenargumente, die Elfers Descartes’ Denken entgegenhält, zu verstehen. Auf eine Kurzformel gebracht: Descartes sieht in der Sprache mehr ein nützliches Werkzeug zur Vermittlung von Gedanken, während Elfers dagegenhält und aufzeigt, dass Sprache kein Werkzeug ist, sondern ein Medium des Denkens.

Besonders deutlich werden die Widersprüche im Bereich der Übersetzungsfrage, dem sich Elfers ein eigenes Kapitel in seinem Buch widmet. Elfers kritisiert, dass Descartes eine Übersetzung wie ein technisches Problem behandelt, während seiner Meinung nach die Übersetzung ein philosophisches Problem darstellt. Bedeutungen sind niemals neutral, die Sprache ist nicht austauschbar. Denken wir an Übersetzungen von Gedichten in andere Sprachen, dann wird dieses Problem erkennbar – auch für denjenigen, der kein Philosoph ist, sondern sich „nur“ mit Sprache beschäftigt.

Aktuell kann man abschließend zu der Schrift „Denken, Sprache und die Übersetzungsfrage bei Descartes“ von Achim Elfers sagen: Dieses Büchlein ist eine echte Empfehlung für diejenigen, die Sprache nicht nur „nutzen“, sondern sich intensiv mit Sprache unter dem Aspekt philosophischer Fragestellungen befassen. Für mich wurden im Hinblick auf die Betrachtung Descartes’ durch diese Schrift neue Welten eröffnet, denen ich jetzt aber erst gründlich nachgehen muss, um sie wirklich zu verstehen. Damit ist auch gleichzeitig gesagt, welchen Personen ich dieses Büchlein nicht empfehle.

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Rezension: „Auf der Suche nach der verlorenen Sprache“ von Achim Elfers

Aktuell möchte ich Ihnen ein interessantes Buch des Schriftstellers Achim Elfers empfehlen. Es trägt den Titel: „Auf der Suche nach der verlorenen Sprache“. Es lohnt sich, einmal in die Tiefe unserer deutschen Sptrache einzutauchen, um wahrzunehmen, über welchen großen Schatz wir verfügen. Um so erstaunlicher ist es, mit welcher Leichtfertigkeit wir mit dieser Sprache umgehen und gar nicht bemerken, wie schleichend durch eine regelrechte Verschwörung, unsere Identität gestohlen wird. 

Mit großer Neugier begann ich, den Roman “Auf der Suche nach der verlorenen Sprache” des Schriftstellers Achim Elfers zu lesen. Das Buch erschien 2025 im Verlag Ch. Möllmann. Bereits das Coverbild mit der Statue eines gelehrten, nachdenklichen Philosophen weist darauf hin, dass es sich hier offensichtlich nicht um einen der vielen Kriminalromane handelt, die man einmal liest und dann nie wieder in die Hand nimmt.

Die Geschichte, die die Säule des gesamten Werkes darstellt, ist schnell zu erzählen. Der Polizei wird von dem Bewohner eines großen Hauses angezeigt, dass ein Einbruch erfolgte und der Wohnungseigentümer niedergeschlagen worden ist. Der Ermittler der Kripo, ein Herr Stillwasser, findet keine Einbruchsspuren. Die Ehefrau teilt dem Ermittler mit, dass sie nichts bemerkt hat, was gestohlen sein könnte. Der Niedergeschlagene wird ins Krankenhaus gebracht. Im Rahmen der Ermittlungen des Kriminalbeamten Stillwasser wird diesem deutlich, dass es sich um einen untypischen Kriminalfall handelt. Zusammen mit einem Dichter, Ulrich Moormann, der dem Kriminalisten bei der weiteren Untersuchung des Falles hilft, bemerkt Stillwasser, dass es um eine besondere gepflegte Sprache geht, der sich Dichter und Denker bedienen. Es entwickelt sich immer mehr eine sprachphilosophische Spurensuche, wobei der Verdacht immer mehr in den Vordergrund rückt, dass eine Verschwörung vorliegt, die darauf hinwirkt, den sprachlichen Schatz der Menschen zu entwerten. Was hier gestohlen wurde, ist kein irdischer Schatz, sondern der Schatz der Sprache.

Die Hauptfiguren des Romans, der Dichter Ulrich Moormann, dessen Sohn Gert und der Kriminalist Stillwasser, eröffnen einen breiten sprachwissenschaftlichen, philosophischen und theologischen Rahmen, der deutlich macht, dass die Sprache mehr ist als nur ein Benennen von Dingen. Sprache ist der Ausdruck unseres Lebens, denn durch Sprache erleben wir erst, dass wir leben. Der Autor verweist auf Heidegger, der in dem Brief über den Humanismus (1947) drei Merkmale nannte, die das Sein des Menschen ausmachen: Dies sind die Sprache, das Sein und das Wohnen. Was den Menschen und dies nicht nur in dem vorliegenden Roman, gestohlen wird, ist das Haus des Seins und das ist die Sprache des Menschen. Der Dichter Moormann stellt im Roman fest, Sprache ist unser Aller. Wenn sie einem gestohlen wird, dann wird sie uns allen gestohlen.

Der Roman ist eigentlich ein Werk, das aus drei Ebenen besteht: Da ist der Kriminalroman, der lediglich den Rahmen darstellt und darauf hinweisen soll, dass analytische Ermittlungsarbeit und poetische Wahrnehmung sich einander bedingen. Die zweite Ebene des Romans ist eine sprachwissenschaftliche Abhandlung über dasjenige, was durch Worte zum Ausdruck gebracht wird, wobei gezeigt wird, wie sehr die meisten Menschen reden, ohne überhaupt zu bemerken, was sie wirklich sagen. Die dritte Ebene ist eine theologische Erörterung, die eng mit der Suche des Menschen zusammenhängt, was unter dem Sein zu verstehen ist, von dem Heidegger sagt, dass es kein Ding ist, sondern die Ermöglichung jeder Bedeutung. Um es umgangssprachlich auszudrücken, es geht um die Frage, was ist unser Leben und was bleibt davon.

Der Roman weist auf aktuelle Fragen unserer heutigen Gesellschaft hin. Wenn Sprache das Haus unseres Lebens ist, dann ist es unverantwortlich, wie wir aktuell mit unserer Sprache umgehen. Es ist auch gefährlich, wenn wir unsere Sprache verwenden, ohne uns über den Sinn und die tatsächlichen Aussagen der Sprache bewusst machen. Zu leicht werden Dinge ausgesprochen, deren Bedeutung dem Sprecher nicht bekannt sind und der nicht bemerkt, welchen Schaden er mit dem Gesprochenen anrichten kann.

Den Roman sollte man jedem empfehlen, der sich einmal mit dem Hintergrund seiner Sprache und der Macht, die man mit dieser Sprache ausüben kann, intensiv befassen möchte. Er sollte eine Pflichtlektüre für Politiker sein, damit diese erkennen, was sie mit einer Sprache, die sie im übertragenen Sinne gar nicht beherrschen, für einen Schaden anrichten können.

Der Roman wäre aber auch ein hervorragendes Thema für eine Abiturprüfung. Am Beispiel der Romanfiguren lassen sich gesellschaftliche, sprachliche, philosophische und religiöse Fragen analysieren und interpretieren.

Den Roman kann man jedem empfehlen, der es ablehnt, nicht mehr denken zu dürfen.