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Der DGB sollte seriöser mit Beteiligungszahlen und Inhalten umgehen

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) gibt in seiner Pressemitteilung zum 1. Mai 2026 an, bundesweit hätten 366.710 Teilnehmer an Kundgebungen der DGB‑Gewerkschaften teilgenommen. Diese sehr präzise Zahl wirft bereits für sich genommen Fragen auf. Angesichts von über 400 Veranstaltungen erscheint es kaum nachvollziehbar, wie eine derart exakte Gesamtzahl tatsächlich erhoben worden sein soll. Eine transparente Darstellung der zugrunde liegenden Einzelmeldungen oder der verwendeten Zählmethoden fehlt.

Auch die vom DGB regelmäßig kommunizierte Größenordnung von „über 300.000 Beteiligten“ lässt sich anhand öffentlich zugänglicher Informationen nicht überprüfen. Eigene Recherchen auf der offiziellen Internetseite des DGB zeigen vielmehr ein auffallend dünnes Bild. Zwar verweisen die Einzelgewerkschaften und Regionen auf den Tag der Arbeit, doch finden sich dort überwiegend nahezu identische Texte, formelhafte Wiederholungen gleicher Schlagworte und kaum ortsspezifische oder inhaltlich vertiefende Informationen. Aktuelle betriebliche Konflikte, regionale Besonderheiten oder neue politische Akzente sind kaum erkennbar.

Diese inhaltliche Uniformität vermittelt weniger den Eindruck einer lebendigen, in Betrieben und Regionen verankerten Interessenvertretung als vielmehr den einer zentral gesteuerten Kommunikationshülle. Gerade für eine Organisation, die Mitbestimmung, Vielfalt und Arbeitnehmernähe für sich reklamiert, ist diese Form der Außendarstellung bemerkenswert blass und wenig überzeugend.

Bereits zuvor fiel auch die Rede der DGB‑Vorsitzenden Yasmin Fahimi durch eine starke Anlehnung an bekannte Argumentationsmuster auf. Anstatt aktuelle Konfliktlinien klar zu benennen, blieb es bei allgemein gehaltenen Aussagen. Themen wie Reallohnverluste, steigende Arbeitsbelastung, Standortunsicherheiten oder die wachsende Distanz vieler Beschäftigter zu den klassischen Gewerkschaftsstrukturen wurden allenfalls angerissen, nicht jedoch substanziell aufgegriffen.

Diese Kritik richtet sich ausdrücklich nicht gegen die Existenz oder den grundsätzlichen Sinn von Gewerkschaften. Im Gegenteil: Gerade in wirtschaftlich und gesellschaftlich angespannten Zeiten wären starke, glaubwürdige und inhaltlich präsente Arbeitnehmervertretungen wichtiger denn je. Gewerkschaften sind weder überholt noch entbehrlich – sie bleiben ein zentrales Gegengewicht zu unternehmerischer Macht und politischer Kurzfristlogik.

Umso bedauerlicher ist es, wenn sie sich nach außen vor allem durch ritualisierte Parolen, wenig differenzierte Kommunikationsmuster und schwer nachvollziehbare Zahlen darstellen. Wer die Interessen von Beschäftigten wirksam vertreten will, muss sichtbar machen, wofür er konkret steht, welche Konflikte er aufgreift und wie nah er tatsächlich an der betrieblichen Realität agiert.

Solange der DGB weder eine nachvollziehbare bundesweite Aufschlüsselung seiner Beteiligungszahlen veröffentlicht noch seine eigenen Kommunikationskanäle nutzt, um regionale Vielfalt, aktuelle Themen und konkrete Auseinandersetzungen sichtbar zu machen, bleibt die propagierte Größe der Mobilisierung eine Selbstauskunft ohne externe Überprüfbarkeit. Öffentliche Berichte aus vielen Städten und Regionen legen nahe, dass zwischen Anspruch und tatsächlicher Resonanz eine erhebliche Lücke besteht – ohne dass sich diese derzeit seriös quantifizieren ließe.

Der DGB wäre gut beraten, diese Diskrepanz ernst zu nehmen. Glaubwürdigkeit entsteht nicht durch möglichst eindrucksvoll klingende Summen, sondern durch Transparenz, inhaltliche Substanz und erkennbare Nähe zu den Lebens‑ und Arbeitsbedingungen derjenigen, in deren Namen man spricht. Wer Vertrauen zurückgewinnen will, muss nicht lauter zählen – sondern genauer hinschauen und klarer sprechen.


 

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Die Maiveranstaltungen des DGB waren enttäuschend

In diesem Jahr organisierte der DGB 18 Veranstaltungen in 18 Städten (u. a. Dresden, Leipzig, Chemnitz, Görlitz, Plauen). Das Motto lautete: „Erst unsere Jobs, dann eure Profite!“ Bundesweit erwartete der DGB rund 23.000 Teilnehmende.

Die zentrale Veranstaltung fand in Nürnberg statt. Hauptrednerin war die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Yasmin Fahimi. Die Zahl der Teilnehmenden blieb jedoch überschaubar: Je nach Quelle werden zwischen 2.500 und 6.000 Menschen genannt. Selbst wenn die höhere Zahl zutrifft, ist dies bemerkenswert gering – und zeigt, wie wenig der DGB derzeit im gesellschaftlichen Mittelpunkt steht.

Gerade in einer Zeit, in der „die Hütte brennt“ – konkret: in der Arbeitsplätze durch Abwanderung großer und mittlerer Unternehmen verloren gehen, die wirtschaftliche Lage zu einer Rekordzahl an Insolvenzen führt und die vielbeschworene „hart arbeitende Bevölkerung“ unter massiven Belastungen steht – hätte man erwarten können, dass deutlich mehr Beschäftigte ein Zeichen setzen. Ein Zeichen dafür, dass sie um ihre Arbeitsplätze fürchten und für den Erhalt des Industrie- und Wirtschaftsstandortes Deutschland eintreten wollen.

Doch vielleicht ist die geringe Resonanz auch ein Spiegel der gewerkschaftlichen Kommunikation. Wenn die Vorsitzende eine Rede hält, die sich kaum von früheren Maireden unterscheidet, wenn Allgemeinplätze aneinandergereiht werden, deren Aussagekraft so gering ist, dass sie kaum jemand hören möchte, dann überrascht es nicht, dass viele fernbleiben. Wer nicht anwesend war, muss sich nicht über eine blasse Rede ärgern. Wer anwesend war, dürfte enttäuscht gewesen sein – Engagement war kaum erkennbar.

Schon der Slogan „Erst die Jobs, dann der Profit“ zeigt, dass die Gewerkschaftsführung die tatsächliche wirtschaftliche Lage offenbar nicht vollständig erfasst hat. Derzeit geht es nicht darum, einen Gegensatz zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern zu konstruieren. Beide Seiten stehen vor denselben Problemen. Die wirtschaftliche Schieflage ist nicht primär das Ergebnis unternehmerischer Entscheidungen, sondern Folge politischer Weichenstellungen der vergangenen und der aktuellen Bundesregierung. Arbeitnehmer und Arbeitgeber sind gleichermaßen betroffen. Es geht um die Existenz des Wirtschaftsstandortes Deutschland – nicht um eine Klassenkampfrhetorik.

Die Rede von Fahimi war geprägt von:

  • der Wiederholung alter Narrative
  • kaum neuen Forderungen
  • wenig strategischer Perspektive
  • einem Fokus auf klassischen Konfliktlinien („Arbeit vs. Kapital“)

Kein Wort dazu, wie die Gewerkschaften die Regierung zu einer wirtschaftspolitischen Kurskorrektur bewegen wollen. Kein Wort zu den erheblichen Belastungen der Beschäftigten durch die Reformvorhaben der Regierung. Es wirkt, als nähmen die Gewerkschaften die Probleme ihrer Mitglieder nur unzureichend zur Kenntnis.

Man gewinnt den Eindruck, dass die Gewerkschaften eine ähnliche Entwicklung durchlaufen wie die Kirchen: Sie verlieren an gesellschaftlicher Relevanz. Das ist – und das sagt jemand, der aufgrund seiner eigenen Berufsbiografie den Gewerkschaften nicht besonders nahestand – eine bedenkliche Entwicklung. Eine Gesellschaft lebt vom vernünftigen Interessenausgleich zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Wenn dieser Ausgleich nicht mehr funktioniert, schadet das beiden Seiten und gefährdet das gesellschaftliche Gefüge.

Frau Fahimi hat – salopp formuliert – heute keinen guten Job gemacht. Eine Chance wurde vertan.


 

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Wird aktuell der Betriebesfrieden durch die Gewerkschaften zerstört?

Die designierte Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes Christiane Benner erklärte, dass ihr Schwerpunkt der Gewerkschaftsarbeit der Kampf gegen die AfD sein soll. Frau Benner ist gegenwärtig die 2. Vorsitzende der IG Metall und soll Nachfolgerin des bisherigen Vorsitzenden des DGB, Hofmann, werden.

Es wäre sehr wichtig, wenn sich die Bürger näher mit einer solchen Ankündigung befassen, weil Frau Benner mit ihrer Ankündigung eines der wichtigsten Grundprinzipien der deutschen Gewerkschaftslandschaft regelrecht zerstören und die parteipolitische Auseinandersetzung in die Betriebe einführen würde.

Bei der Neugründung der Gewerkschaften nach dem zweiten Weltkrieg wurde nicht zuletzt aufgrund der negativen Erfahrungen des sogenannten „Dritten Reiches“, bei dem die Gewerkschaften ausschließlich Sprachrohr der Partei gewesen waren, darauf geachtet, dass die neu zu gründenden Gewerkschaften in Deutschland als sogenannte Einheitsgewerkschaften gegründet wurden. Einheitsgewerkschaft bedeutet, dass die Gewerkschaften grundsätzlich für alle Arbeitnehmer zuständig sein und damit frei von jeglicher parteipolitischen, religiösen oder sonstigen Weltanschauung sein sollten. Es sollte das Prinzip gelten, dass es in jedem Betrieb nur eine Gewerkschaft geben darf, die als Tarifpartner für die Beschäftigten in diesem Betrieb gegenüber dem Arbeitgeber auftreten kann. Eine solche Forderung kann nur dann Bestand haben, wenn diese Gewerkschaften für alle Arbeitnehmer akzeptabel sind, gleichgültig welche politische, konfessionelle oder sexuelle Auffassung sie vertreten.

Es war schon immer schwierig, diese reine Lehre, die davon ausging, dass der Betrieb eine Arbeitszweckgemeinschaft und kein politisches Kampffeld sei, indem die Arbeitnehmer ihre Arbeitskraft diesem Betrieb gegen Entgelt zur Verfügung stellen und es dabei ausschließlich um die Erreichung des jeweiligen Betriebszieles, in der Regel die Produktion eines Wirtschaftsgutes sicherzustellen, gehen sollte, einzuhalten. Natürlich hat es immer wieder gewisse Grenzüberschreitungen gegenüber dieser Auffassung gegeben, da sich einige Teilgewerkschaften, so zum Beispiel auch die IG Metall, nicht an eine parteipolitische Neutralität gehalten haben. Gerade die IG Metall aber auch die GEW haben sich schon immer sehr stark für linke politische Zielsetzungen eingesetzt. Allerdings führte das im Allgemeinen in der Vergangenheit nicht dazu, dass systematisch gegen andere politische Auffassungen innerhalb der Arbeitnehmerschaft von Betrieben vorgegangen wurde. Die jetzt von Frau Benner formulierte Schwerpunktbildung gegen eine bestimmte Partei vorzugehen, würde – sofern dieser bedenklichen Verhaltensweise nicht Einhalt geboten würde – zu einer weiteren Politisierung der Betriebe führen. Damit würde neben der eigentlichen Aufgabenstellung im Betrieb eine massive parteiliche Indoktrination durch die Gewerkschaften Tür und Tor geöffnet werden. Eine solche Entwicklung würde zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Betriebsfriedens führen, weil durch eine parteipolitisch intendierten Gruppenbildung der Arbeitnehmerschaft erhebliche Auseinandersetzungen zwischen den Arbeitnehmern innerhalb eines Betriebes geradezu produziert werden.

Die Gewerkschaften würden sich nicht mehr um ihre eigentliche Aufgabe kümmern. Aufgabe der Gewerkschaften sollte es sein, sich um die Arbeitsbedingungen der Arbeitnehmer und deren Schutz am Arbeitsplatz zu kümmern und dafür zu sorgen, dass eine angemessene Bezahlung der Arbeitsnehmer erfolgt und eine mögliche Ausbeutung durch den Arbeitgeber unterbleibt. Diese Aufgabe haben die Gewerkschaften teilweise schon länger nicht mehr erfüllt, so dass dies auch zu einem massiven Mitgliederschwund führte. Auch die Gründung der vielen kleinen Spartengewerkschaften – erinnert sei hier an die Gewerkschaft der Lokführer und der Gewerkschaft der Flugzeugführer – war eine Folge des Versagens der großen Gewerkschaften, die sich mehr um die Durchsetzung parteipolitischer Zielsetzungen als um die Interessen ihrer Mitglieder bemühten.

Mittlerweile scheint die politische Auseinandersetzung auch von den Vorständen großer Firmen in das Arbeitsleben hineingetragen zu werden. Aktuell ist hier beispielhaft das Verhalten des Vorstandes des Audi/VW-Konzerns zu nennen, der meint, den Arbeitnehmern vorschreiben zu sollen, wie sie zu schreiben und zu sprechen haben.
Die Arbeitnehmer werden Spielball der Politik und selbst das Arbeitsumfeld ist zukünftig auch Teil des Parteienkampfes. Eine solche Entwicklung kann nur noch zu einem zunehmenden Verdruss bei den Arbeitnehmern führen, die sich zunehmend auf das Privatleben zurückziehen werden. Eine solche Gesellschaft wird eines Tages dort enden, wo die DDR mit einer ähnlichen Praxis endete.

Wenn der Gewerkschaftsbund die von Frau Benner angekündigte Vorstellung tatsächlich umsetzen sollte, wird es natürlich von den Parteien, die von den Gewerkschaften ausgegrenzt werden sollen, eigene Gewerkschaftsgründungen geben. Bereits jetzt gibt es AfD-nahe Arbeitnehmervertretungen in Betrieben. Das ist dann der Beginn eines Kampfes der Arbeitnehmer untereinander. Es ist ein völliger Trugschluss zu glauben, die Arbeitnehmer werden sich auf Dauer von den Gewerkschaften, aber auch von den Unternehmensleitungen vorschreiben lassen, welche politische Ausrichtung sie in ihrem Privatbereich für richtig halten. Verlieren werden aber alle. Die Arbeitnehmer, die jegliches Vertrauen in die politischen und dann auch unternehmerischen Stukturen verlieren und sich in das Privatleben zurückziehen werden und die Unternehmen, die ihre Arbeitnehmer so demotiviert haben, dass die Produktivität nicht mehr gegeben sein wird. Gewinner sind die Ideologen, die das Ziel haben, die Bürger zu Erfüllungsgehilfen ihrer eigenen politischen Zielsetzungen zu machen, gleichgültig, ob dabei das Staatswesen zugrunde geht. Diese Ideologen sind selbst so intellektuell bechränkt, dass sie über die Folgen ihres eigenen Tuns keinen Überblick haben.