Kategorien
Aktuell

Wenn die Atommächte scheitern: Wie USA und Russland das Nichtverbreitungsregime gefährden 

Es ist heute deutlicher denn je, dass nicht nur Russland, sondern auch die USA ihren Anteil am Scheitern der nuklearen Rüstungskontrolle tragen. Russland hat zwar formal die Verträge ausgesetzt, aber auch Washington hat auf wiederholte russische Signale einer informellen Weitergeltung der Obergrenzen nicht reagiert — und damit bewusst in Kauf genommen, dass die letzte Säule der bilateralen Abrüstung wegbricht. Beide Seiten fühlten sich durch die geopolitische Lage unter Druck gesetzt, und beide haben letztlich an diplomatischer Entschlossenheit vermissen lassen, ein tragfähiges Ergebnis zu erzielen. 

Das eigentliche Problem ist jedoch größer:
Wie will der Westen glaubwürdig von Staaten wie dem Iran verlangen, auf Atomwaffen zu verzichten, wenn die führenden Atommächte nicht einmal untereinander bereit sind, minimale Transparenz‑ und Begrenzungsmechanismen aufrechtzuerhalten? Glaubwürdigkeit entsteht nicht durch Appelle, sondern durch eigenes Verhalten. Wenn die größten Atommächte ihre eigenen Verpflichtungen nicht verlängern oder weiterentwickeln können, wird jeder Nichtverbreitungsappell unglaubwürdig. 

Hinzu kommt die Frage nach Israels Rolle, einem Staat, dem seit Jahrzehnten ein eigenes nukleares Arsenal zugeschrieben wird. Das Ende von New START verändert auch das strategische Gleichgewicht im Nahen Osten. Jeder wahrgenommene Kontrollverlust der Großmächte stärkt in der Region jene Kräfte, die argumentieren, dass nukleare Abschreckung die einzige verlässliche Sicherheitsgarantie sei. Das kann sowohl Irans Kurs verhärten als auch regionalen Rivalen wie Saudi‑Arabien Argumente liefern. 

In diesem Zusammenhang sind aktuell die Ausführungen des Präsidenten der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) im heutigen Interview mit dem Deutschlandfunk besonders aufschlussreich. Er betont, dass durch das endgültige Ende des New‑START‑Vertrages erhebliche diplomatische Probleme entstehen werden — insbesondere mit Blick auf die Überprüfungskonferenz des Nuklearen Nichtverbreitungsvertrags (NVV) im April. Der NVV verpflichtet die Atommächte dazu, aktiv zur Nichtverbreitung beizutragen und Fortschritte bei der Abrüstung anzustreben. Umso schwerer wird es daher für Russland und die USA, nachvollziehbar zu erklären, warum sie selbst nicht in der Lage waren, eine vernünftige und verantwortungsvolle Absprache zu treffen. 

Ischinger weist außerdem darauf hin, dass Donald Trump offenbar versucht, China zu einem Beitritt zu einem künftigen „New‑START‑ähnlichen“ Abkommen zu motivieren — ein Vorhaben, das China nach derzeitigem Stand mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mittragen wird. Diese Einschätzung verdeutlicht, wie unrealistisch die Hoffnung auf schnelle neue Abrüstungsverhandlungen derzeit ist. Die Großmächte sind nicht nur zerstritten, sondern verfolgen zum Teil strategisch völlig unterschiedliche Ziele. 

Am Ende steht eine bittere Erkenntnis:
Wenn weder Washington noch Moskau bereit sind, Verantwortung für globale Stabilität zu übernehmen, wird das gesamte Nichtverbreitungsregime geschwächt. Und damit steigen die Risiken – weltweit. 

 


Von Bornemann

Dipl.- Sozialarbeiter
Mitglied im Verband Deutscher Pressejournalisten
Studium Sozialarbeit
AKAD Management-Fernstudium
Ergänzungsstudium Wirtschaftsphilosphie

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert