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Aktuell ist die Meinungsfreiheit von selbsternannten Tugendwächtern bedroht

Eine kleine Randnotiz in der Sächsischen Zeitung vom 18.10.2023, die man hätte auch leicht überlesen können und somit gar nicht zur Kenntnis nehmen, zeigt die schlimme gesellschaftspolitische Entwicklung, die sich inzwischen in Deutschland entwickelt hat. In der Notiz unter der Überschrift „Ärger um Auftritt von Alice Schwarzer in Leipzig“ wird aktuell berichtet, dass vor Beginn des „Literarischen Herbstes“ 33 Autorinnen und Künstler die Absage einer Veranstaltung mit Alice Schwarzer gefordert hätten. Nun fängt es bereits mit der unklaren Beschreibung des Sachverhalts an, bei der sich die Zeitung offensichtlich einer sprachlich linksideologischen Genderform bedient. Aus der Mitteilung, dass 33 Autorinnen und Künstler etwas getan haben, geht für einen intellektuell geschulten Leser nicht hervor, ob es sich um 33 Frauen, die Autorinnen sind, handelt. Wahrscheinlich waren es nur Menschen mit weiblichen Geschlechtsmerkmalen. Bei den Künstlern werden sowohl Frauen als auch Männer gemeint sein. Bei den Künstlern kann man in diesem Artikel nach der noch gültigen deutschen Rechtschreibung davon ausgehen, dass Männer und Frauen gemeint sind. Sonst hätte explizit mitgeteilt werden müssen, dass nur weibliche oder männliche Künstler gemeint waren.

Zurück zum eigentlichen Thema. Jetzt zeigt sich, dass wir gar keine offizielle staatliche Zensurbehörde mehr benötigen. Die Selbstkontrolle für die Einhaltung des Sagbaren, des Denkbaren und des Machbaren haben die jeweiligen Betroffenen selbst übernommen. Man kann den Genossen der Verbotspartei Bündnis 90/Die Grünen nur höchsten Respekt zollen. Es ist ihnen gelungen, was viele Diktatoren in der Vergangenheit angestrebt haben aber nie in dieser Hochkultur, wie sie sich jetzt in Deutschland zeigt, erreicht haben. Immer war eine Staatssicherheitsbehörde notwendig, die rechtzeitig einschritt, wenn Bürger es wagten, sich gegen die vorgegebene staatliche Meinungsvorgabe zu artikulieren. Dies ist heute durch die Selbstkontrolle weitestgehend unnötig und dient nur noch der Kontrolle der Kontrolleure. Natürlich hat es zu allen Zeiten „nette“ Nachbarn gegeben, die eilfertig den zuständigen Behörden Hinweise gaben, wenn sich Leute politisch nicht korrekt verhielten. Diese „netten“ Nachbarn waren diejenigen, die immer von sich behaupten, sie hätten Rückgrat und stehen auf der richtigen Seite. Und auch heute gibt es wieder diese „netten“ Nachbarn. Die Politiker der sogenannten Grünen haben es in den letzten Jahren verstanden, eine Meinungsführerschaft einer linken feministischen und sogenannten weltoffenen Gruppe über die Mehrheit der deutschen Bevölkerung durchzusetzen. Das, was der frühere Bundesgeschäftsführer der Partei Bündnis 90/ Die Grünen, Kellner, bereits vor Jahren um Ausdruck brachte, nämlich die Gesellschaft Deutschlands so zu verändern, dass sie nicht mehr wiederzuerkennen sei, ist Realität geworden.

Inzwischen ist Staatsräson, links, feministisch, antiphobisch, weltoffen, gegen jede Meinung, die sich von der Meinung des linken Mainstreams abweicht zu sein. Die Untertanen – Bürger gibt es ja nicht mehr –  haben das Recht, das gesamte Spektrum der Brandmauerparteien zu wählen aber sie stellen sich außerhalb der „weltoffenen“ Gesellschaft, wenn sie es wagen sollten, die AfD zu wählen.

Wie gut das System „Weltoffenheit der Grünen“ funktioniert, kann aktuell jeder Bürger wieder einmal praktisch erleben. An der in Leipzig bevorstehenden Veranstaltung „Literarischen Herbst“ war auch die Teilnahme von Alice Schwarzer vorgesehen. Sie will dort am 25.10. ihre Autobiografie „Mein Leben“ vorstellen. Der eingangs genannte Kreis von Autorinnen oder vielleicht auch Autoren sowie weitere Künstler, insgesamt 33 Persönlichkeiten, meinten dafür sorgen zu müssen, dass Frau Schwarzer nicht auftreten darf, also auszuladen sei. Zur Begründung wurde von diesem privaten sich selbst ernannten Verbotsgremium festgestellt, dass Alice Schwarzer immer wieder durch „transfeindliche, rassistische und misogyne Aussagen und Publikationen auffalle. Bereits vor dieser Forderung der 33 Tugendwächter, hatten sich bereits einige Mitveranstalter zurückgezogen. Allerdings halten die verbliebenen Veranstalter an der Teilnahme von Frau Schwarzer fest.

Natürlich waren es nicht die Grünen direkt, die jetzt den Auftritt von Alice Schwarzer verhindern wollten. Aber ihre Politik und ihre gesellschaftspolitische Brunnenvergiftung ist es, die zu solchen Auswüchsen führt. Es gab einmal eine Zeit in Deutschland, in der die Kunstfreiheit als hohes Gut angesehen wurde. Den Künstlern wurde es zugestanden, ihre Meinungen und Befindlichkeiten weitestgehend uneingeschränkt darstellen zu können. Jetzt sind es bereits einige Künstler selbst, die den Grundsatz der Kunstfreiheit aufgeben und denen es selbst nicht peinlich ist, anderen Künstlern den Auftritt auf der Bühne zu verweigern. Es muss schon ein riesiger Niedergang der Gesellschaft sein, wenn die – wie man heute sagt – Kunstschaffenden selbst die Funktion einer staatlichen Überwachungsbehörde übernehmen. Aber wie bereits gesagt, die ideologische Aufheizung unserer Gesellschaft bringt wieder die „netten Nachbarn“ an das Tageslicht. Zu Zeiten Hitlers und der DDR hießen diese Herrschaften Blockwarte, heute sind es linke Intellektuelle, die sich mit dieser Funktion schmücken. Hier kann man nur noch sagen: Wehret den Anfängen, aber vielleicht ist es ja schon zu spät.

Von Bornemann

Dipl.- Sozialarbeiter
Mitglied im Verband Deutscher Pressejournalisten
Studium Sozialarbeit
AKAD Management-Fernstudium
Ergänzungsstudium Wirtschaftsphilosphie

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