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Die Kirchen als verlängerter Arm des Staates im Krieg

Der evangelische Militärbischof Bernhard Felmberg hat von der EKD‑Kirchenkonferenz den Auftrag erhalten, ein Konzept für den Fall eines Krieges oder Verteidigungsfalls zu entwickeln. Er selbst bezeichnet dieses Vorhaben als eine „Art geistlicher Operationsplan Deutschland“. Damit wird sichtbar: Auch die Kirchen sehen sich inzwischen veranlasst, Strukturen für ein mögliches Kriegsszenario aufzubauen.

Die Wortwahl ist bemerkenswert. „Operationsplan Deutschland“ ist ein Begriff aus der militärischen Logik, in der Pläne erstellt werden, um Kriege vorzubereiten und – im militärischen Verständnis – erfolgreich zu führen. Man sollte annehmen, dass die Kirchen einen anderen Auftrag haben. Doch gegenwärtig entsteht der Eindruck, dass sich kirchliche Institutionen in eine allgemeine Atmosphäre sicherheitspolitischer Alarmierung einfügen, statt ihr etwas entgegenzusetzen. Kaum jemand stellt sich diesen Vorbereitungen in den Weg oder sagt klar und unmissverständlich „Halt“.

Dabei wäre genau das notwendig. Denn die Lösung von Konflikten durch das Töten von Menschen führt nicht zu Sicherheit, sondern zur Zerstörung von Leben. Es lohnt sich, nüchtern zu fragen, woher die aktuelle Kriegsgefahr überhaupt rührt – und welche politischen Wege existieren, diese Gefahr zu verringern. Im Kern geht es um die Interessen großer Machtblöcke und ihrer jeweiligen Führungseliten, die den Anspruch erheben, global Einfluss auszuüben oder zu erweitern.

Nicht die Völker selbst haben das Ziel, andere Menschen zu töten, um anschließend einen „Sieg“ zu verkünden. Es sind politische Führungen, die sich selbst nicht in die Schützengräben begeben, sondern ihre Bürger aufrüsten, mobilisieren und rhetorisch auf Kriegstüchtigkeit einschwören. Die Logik des Krieges würde schnell an Bedeutung verlieren, wenn diejenigen, die ihn politisch herbeiführen, selbst die Konsequenzen tragen müssten.

Ermutigend ist, dass die Zahl der vorsorglichen Kriegsdienstverweigerer steigt. Das zeigt: Die Bevölkerung will keinen Krieg. Krieg wollen diejenigen, die politisch oder wirtschaftlich von ihm profitieren und dafür die Gesellschaft instrumentalisieren. Dieser Kreislauf muss durchbrochen werden. Nicht die Verfechter militärischer Eskalation dürfen die Richtung bestimmen, sondern diejenigen, die sich konsequent für Frieden und Deeskalation einsetzen.

Gerade die Kirchen sollten sich an die Spitze einer solchen friedensorientierten Haltung stellen. Ihre Aufgabe ist es nicht, sich an staatlichen Vorbereitungen für einen Krieg zu beteiligen. Der Militärbischof hat selbstverständlich die Aufgabe, Soldaten seelsorgerisch zu begleiten. Aber es ist nicht seine Rolle, operative Konzepte für zivile Maßnahmen im Kriegsfall zu entwickeln.

Denn genau dafür existieren seit Jahrzehnten spezialisierte zivile Organisationen wie das Deutsche Rote Kreuz und andere anerkannte Hilfsorganisationen. Zu ihren klassischen Aufgaben gehören unter anderem:

  • Betreuung und Versorgung der Zivilbevölkerung,
  • Registrierung und Identifizierung von Toten,
  • Information und Benachrichtigung von Angehörigen,
  • Suchdienst und Familienzusammenführung,
  • psychosoziale Unterstützung in Krisenlagen.

Diese Strukturen sind professionell, erprobt und international vernetzt. Sie benötigen keinen „Operationsplan“ eines Militärbischofs, sondern politische Unterstützung und klare Zuständigkeiten.

Die Kirchen hätten bereits genug zu tun, wenn sie sich auf ihre Kernaufgabe konzentrieren würden: die seelsorgerische Begleitung der betroffenen Soldaten, ihrer Familien und der Zivilbevölkerung – und die klare, unmissverständliche Stimme für Frieden.


Von Bornemann

Dipl.- Sozialarbeiter
Mitglied im Verband Deutscher Pressejournalisten
Studium Sozialarbeit
AKAD Management-Fernstudium
Ergänzungsstudium Wirtschaftsphilosphie

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