Die USA versuchen derzeit, den Krieg gegen den Iran möglichst schnell zu beenden und die Straße von Hormus dauerhaft wieder freizubekommen. Es war ohnehin mehr als problematisch, dass sich Donald Trump von Netanjahu in einen Krieg hineinziehen ließ, der nicht nur völkerrechtswidrig war, sondern auch einen Schaden angerichtet hat, der dauerhaft bleiben wird.
Offensichtlich verfolgt Netanjahu nur ein Ziel: die Staaten Iran und Libanon politisch und wirtschaftlich so zu schwächen, wie es bereits mit dem Gazastreifen und Palästina in brutaler Weise durch den israelischen Staat unter seiner Führung geschehen ist. Erstaunlich ist, dass über die Vernichtung des palästinensischen Volkes in der Weltöffentlichkeit kaum gesprochen wird. Die Partei „Die Linke“, deren politische Ausrichtung insgesamt mehr als problematisch ist, hat in einem Punkt recht: Wenn sie feststellt, dass das, was Israel im Gazastreifen und gegenüber Palästina angerichtet hat, als Völkermord zu bezeichnen ist.
Die Lage in Palästina wird medial kaum noch erwähnt – doch die humanitäre Situation bleibt katastrophal. In den aktuellen Nachrichten taucht Palästina kaum noch auf, obwohl die Zerstörung in Gaza und im Westjordanland weitergeht, die zivile Infrastruktur weitgehend zusammengebrochen ist und die Bevölkerung in vielen Gebieten kaum noch überlebensfähig ist. Dass diese Berichte zurückgedrängt werden, während der Fokus auf Iran und Libanon liegt, verstärkt den Eindruck, dass Palästina „verschwindet“.
Angesichts einer solchen Politik sollte die israelische Regierung darüber nachdenken, wie lange sich die Weltgemeinschaft ein solches Verhalten noch gefallen lassen wird. Umso erstaunlicher ist es, dass Netanjahu offenbar glaubt, sich nun auch direkt gegen Donald Trump stellen zu können – jenen Präsidenten, der überhaupt erst ermöglicht hat, dass Israel seine militärischen Operationen in diesem Umfang durchführen konnte.
Bemerkenswert ist zudem, wie unterschiedlich ähnliche Verhaltensweisen beurteilt werden. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine wird als Kriegsverbrechen bezeichnet, während über das Vorgehen des Staates Israel gegenüber seinen Feinden in der Vergangenheit kaum Kritik geäußert wurde. Die Gefahr besteht darin, dass viele Bürger eine solche ungleiche Beurteilung nicht mehr akzeptieren und die Meinung gegenüber Israel Formen annimmt, die für Israel verheerend sind – allerdings nichts mit Antisemitismus zu tun haben.
Wenn Israel diese Politik fortsetzt, gefährdet es seine eigene Sicherheit. Die Zeichen dafür sind bereits erschreckend sichtbar. Nun wird es entscheidend darauf ankommen, wie lange Donald Trump die Politik Netanjahus noch billigt. Für die israelische Regierung könnte das Erwachen schneller eintreten, als ihr lieb sein kann – und schneller, als man es ihr wünschen möchte.