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Die Jugend wacht auf und wendet sich gegen den Krieg

Die heutige Nachricht über die Demonstrationen junger Menschen, bei denen es sich überwiegend um Schüler gehandelt haben soll, ist für mich ein echter Hoffnungsschimmer. Die jungen Menschen haben mit ihrer Aktion wieder in das Bewusstsein der Bevölkerung gerückt, wer in einem Krieg, über den zurzeit mitunter erstaunlich leichtfertig gesprochen wird, tatsächlich sein Leben einzusetzen hat.

Es sind eben nicht die Kriegs- und Verteidigungsminister. Es ist auch nicht Boris Pistorius, der von der „Kriegstüchtigkeit“ spricht, die Deutschland erreichen müsse.

Die Jugendlichen führen uns vor Augen, dass sie es sind, die in einem möglichen Krieg ihr Leben und ihre Gesundheit aufs Spiel setzen müssten. Wer glaubt, ein moderner Krieg ließe sich führen, ohne dass eine ganze Generation dafür einen entsetzlichen Blutzoll entrichtet, jagt einem Phantom nach.

Sollten die Toten des Ukrainekrieges nicht endlich auch für Politiker wie Boris Pistorius, Ursula von der Leyen und andere Anlass sein, darüber nachzudenken, was sie der jungen Generation eigentlich abverlangen? Diese Jugend hat vermutlich vieles im Kopf, aber ganz sicher nicht den Wunsch nach einem Krieg, der Menschen tötet und Familien zerstört.

Als Vater von sechs Kindern, drei Töchtern und drei Söhnen, wende auch ich mich gegen die zunehmende Gewöhnung unserer Gesellschaft an Krieg und Kriegsvorbereitung. Einer meiner Söhne war Zeitsoldat. Ich selbst war als leitender Rotkreuz-Mitarbeiter an einer Schnittstelle der zivil-militärischen Zusammenarbeit beruflich tätig. Wir glaubten noch, damit einen Dienst für unser eigenes Land wahrnehmen zu müssen. Für einen Krieg im Ausland und für die Durchsetzung politischer Machtansprüche würde ich mich heute nicht mehr zur Verfügung stellen. Und Gleiches wünsche ich auch für meine Kinder.

Deshalb freue ich mich über den Impuls der Jugend, die jetzt auf die Straße geht und ein Signal setzt, der zunehmenden Gewöhnung an die Sprache und Möglichkeit des Krieges entgegenzutreten.

Was wir brauchen, ist nicht nur die viel beschworene Kriegstüchtigkeit, sondern vor allem die Tüchtigkeit, Frieden zu schaffen und ihn zu erhalten.

Den jungen Menschen, die jetzt gegen eine mögliche Wehrpflicht auf die Straße gehen, möchte ich allerdings noch etwas vorschlagen: Schreibt dem Bundesverteidigungsministerium. Jeder für sich, persönlich und mit eigenen Worten. Teilt dem Minister mit, dass Ihr nicht bereit seid, Euch für einen Krieg missbrauchen zu lassen.

Wenn tatsächlich 45.000 Menschen an den Demonstrationen teilgenommen haben sollten, wäre es doch ein deutliches Signal, wenn der Verteidigungsminister einige Tausend solcher Briefe erhielte. Die Zahl von mehr als 45.000 Teilnehmern ist bislang eine Angabe der Veranstalter.

Ich selbst werde aufgrund meines Alters nicht mehr für einen Krieg eingezogen werden. Trotzdem empfinde ich es gerade im Alter als Verpflichtung, meine Stimme laut und deutlich gegen den Krieg zu erheben.

Der Vorteil, den ich aktuell gegenüber den jungen Schülern habe, ist nämlich dieser: Ich muss mich nicht mehr um meine Karriere kümmern. Im Alter ist man frei, alles aussprechen zu können, weil es einem nicht mehr schaden kann. Aus dieser Freiheit erwächst aber auch die Verpflichtung, das zu sagen, was man für richtig hält.