Eigentlich ist man es bereits gewohnt: Den Bürgern wird in den schillerndsten Farben vermittelt, die Menschheit stehe kurz vor dem Weltuntergang. Erinnern wir uns an die hysterischen Proteste einiger Klimaaktivisten, die sich auf der Straße festklebten, um auf angeblich unmittelbar notwendiges Regierungshandeln hinzuweisen. Grundlage war stets „die Wissenschaft“, präsentiert wie ein Evangelium – als absolute Wahrheit, der sich niemand entziehen dürfe.
Im Mittelpunkt aller politischen Forderungen stand die Behauptung, die Erwärmung der Erde müsse auf einen bestimmten Temperaturwert begrenzt werden. Viele Menschen fragten sich jedoch zu Recht, wie man überhaupt feststellen könne, ob sich die Welt um ein oder zwei Grad erwärmt – und wie der Mensch in der Lage sein solle, die Temperatur des gesamten Planeten wie an einem Heizungsthermostat hoch- oder herunterzuregeln.
Bürger, die Zweifel an den Aussagen „der Wissenschaft“ äußerten, wurden als „Klimaleugner“ diffamiert – ein Begriff, der bewusst die Assoziation zum Holocaustleugner herstellt und damit jede sachliche Diskussion moralisch auflädt.
Natürlich ist unbestritten, dass sich das Klima aktuell verändert. Doch das ist keineswegs eine neue wissenschaftliche Erkenntnis. Solange die Erde existiert, gab es immer Klimazyklen, die fundamentale Veränderungen hervorriefen. Ein Blick ins Elbsandsteingebirge genügt: Die heute beeindruckenden Felsen standen einst vollständig unter Wasser. Damals existierte eine Tierwelt, die später dem Wandel der Natur weichen musste. Die ernsthafte Frage lautet daher: In welchem Maße beschleunigt der Mensch bestimmte natürliche Prozesse – und in welchem Umfang kann er sie verlangsamen? Aufhalten wird er sie nicht. Der Mensch spielt gern Gott, aber er ist es nicht. Und ich möchte hinzufügen: Gott sei Dank.
Problematisch ist, wie bestimmte Naturphänomene politisch instrumentalisiert werden, um Ziele zu verfolgen, die mit der Natur selbst wenig zu tun haben. Noch bemerkenswerter ist, dass sogar das Bundesverfassungsgericht in seinem Grundsatzbeschluss vom 24. März 2021 erklärte, die Regierung sei verpflichtet, die Temperatur der Welt nicht weiter steigen zu lassen.
Dabei wissen alle seriösen Wissenschaftler, dass die Annahmen über zukünftige Klimaveränderungen auf Modellierungen beruhen – also auf Computermodellen, in denen bestimmte Annahmen getroffen und dann hochgerechnet werden. Eines der zentralen Modelle war das Emissionsszenario RCP 8.5/SSP5‑8.5, das verheerende Entwicklungen prognostizierte, falls die Menschheit nicht rechtzeitig gegensteuere. Auf diesem Szenario basierte im Wesentlichen auch der Beschluss des Bundesverfassungsgerichts.
Nun zeigt sich jedoch, dass die in diesem Modell angenommenen Daten so nicht zutreffen und die prognostizierten Auswirkungen erheblich überzogen waren. Prof. Bjorn Stevens (Max‑Planck‑Institut für Meteorologie), Experte für Wolkenphysik, betont inzwischen die erheblichen Unsicherheiten der Modelle. Prof. Jochem Marotzke (MPI Hamburg), Leitautor im IPCC, warnt vor einer Überinterpretation von Extremszenarien. Prof. Judith Curry (USA) kritisiert seit Jahren Übertreibungen in der Klimapolitik und verweist auf die Unsicherheiten der Modellannahmen. Prof. Zeke Hausfather (Berkeley Earth), einer der wichtigsten Stimmen zur Neubewertung von RCP8.5, sagt klar: „RCP8.5 ist kein realistisches Zukunftsszenario mehr.“
Was sagt uns das? Wir dürfen die Welt nicht weiter „mit Füßen treten“, aber wir müssen auch anerkennen, dass wir nicht allmächtig sind. Wissenschaft darf nicht missbraucht werden, um Menschen in Angst und Schrecken zu versetzen und politische Ziele durchzusetzen. Und wir müssen nüchtern feststellen, dass selbst Beschlüsse eines Bundesverfassungsgerichts ihre menschlichen Grenzen haben.
Es wäre gut, wenn alle Beteiligten wieder etwas Demut entwickeln würden – und erkennen, dass ihr Wissen nicht absolut ist. Wir sollten uns darauf konzentrieren, was wir als Menschen tatsächlich tun können und müssen: sorgfältig mit der Natur umgehen, Veränderungen aufmerksam beobachten und rechtzeitig Vorsorgemaßnahmen treffen. Und wir sollten Politikern deutlich sagen, dass sie wieder seriöser argumentieren müssen, wenn sie ernst genommen werden wollen.
Wenn dies die Konsequenz aus den neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen wäre, hätten alle gewonnen: die Natur – und die Menschen, die nichts anderes sind als ein Teil von ihr.