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Die Anhäufung von CSD-Demonstrationen ist für viele auch eine Provokation

Ich respektiere jeden Menschen in seiner Würde, auch wenn ich seine Lebensweise nicht teile. Doch die ständigen CSD‑Aufmärsche beschleichen mich mit einem Störgefühl. Nicht, weil ich Menschen verachte — sondern weil ich den Eindruck habe, dass eine Minderheit ihre Lebensweise in einer Weise öffentlich inszeniert, die viele Menschen überfordert.

Wenn eine Minderheit ihre Anliegen so häufig und so intensiv öffentlich inszeniert, dass die Mehrheit den Eindruck bekommt, sie müsse diese Lebensweise als gesellschaftliche Norm übernehmen, entsteht eine Spannung, die vermeidbar wäre. Zur Klarstellung: Mir geht es nicht darum, Homosexualität zu bewerten. Die Vokabel verschiebt oft die Gewichtung falsch. Mir geht es schlicht darum, dass jeder seine eigene Lebensweise praktizieren darf, ohne dass bestimmte Haltungen sofort mit Begriffen wie „antidemokratisch“ oder „menschenfeindlich“ verknüpft werden. Genau diese Verknüpfung wird jedoch im Umfeld des CSD häufig vorgenommen — und sie trägt zur gesellschaftlichen Überhitzung bei.

Respekt muss beidseitig sein: Ich akzeptiere, dass Menschen anders leben. Aber ich erwarte auch, dass diese Akzeptanz nicht in eine permanente öffentliche Darstellung umschlägt, die andere Menschen in ihren Gefühlen verletzt oder ihnen das Gefühl gibt, belehrt zu werden.

Eine Gesellschaft, die Sexualität immer wieder zum öffentlichen Ereignis macht, riskiert Spannungen, die vermeidbar wären.

Man muss sich inzwischen fragen, was die Initiatoren mit der Häufung ihrer Demonstrationszüge eigentlich bezwecken wollen. Die Argumentation, diese Aufzüge dienten dazu, Minderheiten „sichtbar“ zu machen, überzeugt nicht mehr, wenn die Häufigkeit den Eindruck einer gesellschaftlichen Umerziehung erzeugt.

Denn man stelle sich vor, im gleichen Umfang würden große Demonstrationen von Gegnern der Abtreibung stattfinden. Die Empörung wäre gewaltig. Genau darin liegt der Punkt: Wenn jede Minderheit ihre Anliegen ständig durch Demonstrationen vorträgt, entsteht ein gesellschaftliches Ungleichgewicht, das nicht zur Beruhigung beiträgt.

Minderheiten sollten bei der Durchsetzung ihrer Anliegen auch auf die Befindlichkeiten der Mehrheitsgesellschaft achten. Denn niemandem wäre gedient, wenn durch ständige Demonstrationen Kräfte freigesetzt würden, die eine Gesellschaft spalten.

In den öffentlich‑rechtlichen Medien fällt aktuell zunehmend auf, dass bestimmte Themen überproportional behandelt werden. Die Angriffe auf CSD‑Aufmärsche haben in vielen Fällen einen islamistischen Hintergrund und sind nicht Ausdruck einer veränderten deutschen Mehrheitsgesellschaft, sondern Folge von Zuwanderung aus Kulturkreisen, die unsere freiheitliche Ordnung nicht teilen. Das sollte klar benannt werden.

Wie Begriffe wie Menschenwürde, Homophobie und Freizügigkeit zunehmend vermischt werden, sodass ein gefährliches Gemisch entsteht, zeigte ein Interview im Deutschlandfunk mit dem Vorsitzenden des Islamrates.

Burhan Kesici wies ruhig und sachlich darauf hin, dass ein Nichtakzeptieren einer bestimmten Verhaltensweise nichts mit einer Verletzung der Menschenwürde zu tun hat. Man kann sich von Verhaltensweisen distanzieren, ohne den betreffenden Menschen zu verachten. Diese Unterscheidung geht in der öffentlichen Debatte oft verloren.

Ebenso ging der Versuch des Moderators ins Leere, Kesici zu unterstellen, er stelle Homosexualität, Obdachlosigkeit, Alkoholismus und Gewalt gegen Frauen auf eine Stufe. Kesici hatte lediglich darauf hingewiesen, dass diese Phänomene — so unterschiedlich sie sind — keine gesellschaftlichen Leitbilder darstellen.

Zu einer lebendigen Demokratie und einem weltoffenen Miteinander ist es nicht erforderlich, einer bestimmten sexuellen Orientierung anzugehören. Wer darin seine Erfüllung sieht, soll frei leben. Aber ebenso sind alle anderen Menschen frei, demokratisch, fröhlich und weltoffen zu sein, ohne sich ständig rechtfertigen zu müssen.

Respekt bedeutet, dass Minderheiten Rücksicht auf Mehrheiten nehmen — genauso wie Mehrheiten Rücksicht auf Minderheiten nehmen müssen. Beide Seiten sollten vermeiden, unnötig auf den Gefühlen der anderen herumzutrampeln.