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Hurra – jetzt hat die SED doch noch gewonnen

Manchmal erkennt man historische Entwicklungen nicht in Wahlprogrammen, Statistiken oder Leitartikeln, sondern an drei Uniformen auf einem Kleiderständer.

Vor vielen Jahren saß ich in Ostberlin einem Offizier gegenüber. Hinter seinem Schreibtisch hingen ordentlich nebeneinander eine Uniform der Volkspolizei, eine Uniform der Nationalen Volksarmee und eine Uniform der Bundeswehr.

Ich betrachtete das Ensemble mit einem gewissen Erstaunen. Schließlich begegnet man nicht jeden Tag gleich drei politischen Systemen auf einem einzigen Kleiderbügel.

Der Offizier bemerkte meinen Blick, lachte und erklärte:

„Da ich ursprünglich bei der Volkspolizei war, musste ich für einen Tag wieder NVA-Offizier werden. Danach konnte ich von der Bundeswehr übernommen werden.“

Er sagte das ganz selbstverständlich.

Ich saß dort und fragte mich, ob ich gerade einem Menschen oder einer staatlichen Umwandlungsverordnung gegenübersaß.

Die Mauer war gefallen, die DDR verschwunden, die Bundesrepublik vereinigt. Nur die Karriere schritt unbeirrt voran.

Als ich damals die drei Uniformen betrachtete, hielt ich die Angelegenheit für eine kuriose Fußnote der Wiedervereinigung. Heute frage ich mich gelegentlich, ob sie nicht eher ein Symbol gewesen ist. Vielleicht sterben politische Systeme nicht so gründlich, wie Historiker später behaupten. Vielleicht wechseln sie gelegentlich nur die Uniform.

Inzwischen bin ich mir nicht mehr sicher, ob die Geschichte lediglich eine Anekdote der Wiedervereinigung war. Manchmal glaube ich, dass politische Ideen eine ähnliche Wandlungsfähigkeit besitzen wie Uniformen.

Berlin scheint inzwischen entschlossen zu sein, wirtschaftspolitische Experimente durchzuführen, für die andere Länder zunächst eine Warnung des Internationalen Währungsfonds abwarten würden. Wer mehr als 10.000 Wohnungen besitzt, soll künftig Bekanntschaft mit staatlichen Vorstellungen über die richtige Verwendung von Eigentum machen. Ältere Bürger könnten dabei ein gewisses Déjà-vu verspüren.

Bereits jetzt ist zu erkennen, dass Neuinvestitionen in Berlin storniert werden, man weiß ja nicht, ob man diese auf Dauer nicht behalten darf. Und wie sich das auf die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland auswirken wird, kann sich jeder, der ein wenig von Wirtschaft Ahnung hat, selbst vorstellen.

Abgesehen davon, dass die anstehenden Gerichtsverfahren Milliarden Euro kosten werden, weiß man schon jetzt, dass nicht eine einzige Wohnung dadurch neu geschaffen wird. Und wie die Wohnungen, bei denen dann staatliche „Gebühren“ festgelegt worden sind, in einigen Jahren aussehen werden, werden noch viele Bürger wissen, die sich nach der Wende mit dem Aufbau in den östlichen Ländern befassen mussten. So kann man nur noch mit dem SPD-Gruß, der immer wieder im Bundestag zu hören ist, sagen: Glück auf! Den Menschen wird es jedenfalls nicht helfen.

Vielleicht gibt es Politiker bei der SPD, die im Laufe der weiteren Verhandlungen bemerken, dass es vielleicht doch nicht so gut bei der Bevölkerung ankommt, wenn man meint Gerechtigkeit mit Methoden totalitärer Staaten zu erreichen.

Es wäre schön, wenn man dann sagen kann, wir haben einmal ein Gedankenspiel gemacht, wie es sein könnte, wenn wir politisch machen dürften, was wir wollten. Das wäre dann keine Glosse, sondern politische Weisheit.

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Ein gesellschaftlicher Umbruch, der noch gar nicht bemerkt wird

Während Politik und Medien große Aufmerksamkeit auf die Auseinandersetzung mit dem Aufstieg der AfD richten, vollziehen sich gleichzeitig politische Verschiebungen im linken Lager, die nach meiner Wahrnehmung deutlich weniger kritisch begleitet werden. Dadurch entsteht der Eindruck eines politischen Ungleichgewichts in der öffentlichen Debatte. Die Frage ist nicht, ob extremistische Tendenzen von rechts bekämpft werden sollen. Die Frage ist vielmehr, ob vergleichbare Maßstäbe auch gegenüber problematischen Entwicklungen im linken Spektrum angewandt werden.

In diesem Zusammenhang sollte man einen verstärkten Blick auf die aktuelle politische Situation in Berlin richten. Die nüchterne Ausgangslage ist diese: Die Wahlen zum Abgeordnetenhaus haben einen fundamentalen politischen Paradigmenwechsel sichtbar gemacht. Die bisher regierende CDU wurde von den Wählern regelrecht abgewählt, während die Partei Die Linke ein Wahlergebnis erreichte, das vor wenigen Jahrzehnten in dieser Form kaum vorstellbar gewesen wäre.

Wer die Geschichte Berlins erlebt hat, wird die Tragweite dieser Entwicklung möglicherweise anders beurteilen als jüngere Generationen. Ältere Berliner, so auch ich, erinnern sich noch an die Zeit der deutschen Teilung und an die bewusste politische Abgrenzung West-Berlins gegenüber der SED. Hunderttausende Menschen gingen damals gegen die kommunistische Diktatur auf die Straße. Ich selbst gehörte zu den Teilnehmern jener Demonstrationen, die den demokratischen Aufbruch in Deutschland begleiteten. Wer damals behauptet hätte, die Nachfolgepartei der SED könne eines Tages in Berlin rund ein Viertel der Stimmen erreichen und zu den maßgeblichen politischen Kräften der Stadt gehören, wäre vermutlich für realitätsfern oder sogar für verrückt erklärt worden. Gerade deshalb stellt das heutige Wahlergebnis für viele Berliner einen politischen und gesellschaftlichen Umbruch dar.

Nun wäre auch dies zunächst ein normaler demokratischer Vorgang. Wahlen entscheiden über politische Mehrheiten, und Wahlergebnisse sind zu respektieren. Dennoch stellen sich Fragen, wenn gleichzeitig Vorgänge und personelle Verbindungen im Umfeld der Partei bekannt werden, die Zweifel an ihrer politischen Seriosität hervorrufen. So rückten während der Wahlfeierlichkeiten Personen in den Blickpunkt, deren Verbindungen zu bestimmten politischen Kreisen eine öffentliche Debatte auslösten. Hinzu kamen Vorwürfe antisemitischer Einstellungen, die schließlich auch von SPD und Grünen aufgegriffen wurden.

Gerade deshalb stellt sich die Frage, ob die Maßstäbe, die gegenüber anderen politischen Parteien angelegt werden, auch hier mit derselben Konsequenz gelten. Während gegenüber der AfD bereits der Verdacht problematischer politischer Tendenzen regelmäßig zu scharfen politischen und gesellschaftlichen Reaktionen führt, scheint die Auseinandersetzung mit vergleichbaren Vorwürfen gegenüber der Partei Die Linke deutlich zurückhaltender zu verlaufen. Dieser Unterschied in der Wahrnehmung ist zumindest erklärungsbedürftig.

Hinzu kommt die Frage, wie sich die übrigen Parteien nun verhalten werden. Die CDU hat sich durch eigene Parteitagsbeschlüsse eine Zusammenarbeit mit der Partei Die Linke selbst untersagt. Auch die SPD steht vor einer politischen Richtungsentscheidung. Einerseits vertritt sie die Auffassung, dass mit der AfD aufgrund grundlegender politischer Differenzen keine Zusammenarbeit möglich sei. Andererseits führen die gegen Die Linke erhobenen Vorwürfe offenbar nicht zu vergleichbaren Konsequenzen. Angesichts der vorliegenden Mehrheitsverhältnisse wäre in Berlin durchaus auch eine Regierungsbildung aus SPD, CDU und Grünen denkbar. Die politische Debatte konzentriert sich jedoch fast ausschließlich auf andere Optionen.

Nachdem SPD und Grüne gefordert hatten, dass sich Die Linke eindeutig von antisemitischen Tendenzen distanziert, benötigte die Partei drei Tage, um ein Arbeitspapier vorzulegen, das Klarheit schaffen soll. Ob dieses Ziel tatsächlich erreicht wurde, darf jedoch bezweifelt werden. Wer das Papier aufmerksam liest, kann zu dem Eindruck gelangen, dass manche Konflikte eher überdeckt als offen angesprochen werden. Gerade deshalb verdient der Text eine gründliche und kritische Analyse.

Teilweise werden dort Selbstverständlichkeiten formuliert, die zu den Grundprinzipien eines funktionierenden Rechtsstaates gehören. Die eigentlichen Ursachen gesellschaftlicher Konflikte bleiben dagegen weitgehend ausgeblendet. Wenn erklärt wird, Berlin übernehme Verantwortung für die vom nationalsozialistischen Regime begangenen Verbrechen an den Juden, stellt sich die Frage, wer mit diesem „Berlin“ eigentlich gemeint ist und wie diese Verantwortung konkret ausgestaltet werden soll. Vieles bleibt auf der Ebene allgemeiner politischer Bekenntnisse.

Im Kern zeigt sich jedoch ein noch grundlegenderes Problem. Es ist zu fragen, weshalb immer neue politische Konzepte, Strategien und Aktionspläne entwickelt werden, obwohl der Rechtsstaat bereits über Gesetze, Behörden und Instrumente verfügt, um Straftaten, Diskriminierung und Bedrohungen zu bekämpfen. Hier richtet sich seit Jahren ein erheblicher Teil der Kritik an linken Politikansätzen. Nicht selten entsteht der Eindruck, dass neue Programme formuliert werden, während gleichzeitig die konsequente Anwendung bestehenden Rechts in den Hintergrund tritt.

Auch der Schutz jüdischer Bürger ist keine Sonderaufgabe außerhalb des allgemeinen Rechtsstaates. Jüdische Bürger besitzen dieselben Freiheits- und Schutzrechte wie alle anderen Bürger dieses Landes. Das eigentliche politische Ziel sollte deshalb nicht die dauerhafte Schaffung besonderer Schutzräume sein, sondern die Wiederherstellung gesellschaftlicher Verhältnisse, in denen solche Schutzräume möglichst überflüssig werden, weil der Staat seine Schutzpflicht gegenüber allen Bürgern wirksam erfüllt.

Wenn bestimmte Stadtteile, Milieus oder politische Szenen faktisch nicht mehr mit derselben Konsequenz kontrolliert werden wie andere Bereiche der Gesellschaft, entsteht ein rechtsstaatliches Ungleichgewicht. Wer Antisemitismus ernsthaft bekämpfen will, muss daher auch die Frage stellen, ob staatliche Stellen überall gleichermaßen bereit und in der Lage sind, geltendes Recht durchzusetzen. Nicht neue Papiere und Konzepte entscheiden letztlich über die Sicherheit der Bürger, sondern die konsequente Anwendung des bestehenden Rechts.

Gerade an diesem Punkt bleibt das vorgelegte Arbeitspapier bemerkenswert vage. Es vermittelt den Eindruck eines Grundsatzpapiers, ohne die eigentlichen Grundsatzfragen zu beantworten. Die Betonung einzelner Gruppen schafft für sich genommen noch keine Lösung gesellschaftlicher Probleme. Sie birgt vielmehr die Gefahr, dass andere Gruppen den Eindruck gewinnen, ihre Anliegen seien von geringerer Bedeutung.

Was das nun vorgelegte Papier politisch wert ist, zeigt sich auch daran, dass bereits zahlreiche Mitglieder aus dem eigenen linken Umfeld dagegen protestiert und öffentlich Distanz zu einzelnen Aussagen erklärt haben. Offenkundig sind die innerparteilichen Konflikte damit keineswegs gelöst.

Die SPD täte deshalb gut daran, sich nicht nur mit den kurzfristigen Möglichkeiten der Regierungsbildung zu beschäftigen, sondern auch mit den langfristigen Folgen ihrer politischen Entscheidungen. Die Bindung an eine Partei, die erhebliche innere Konflikte austrägt und deren politische Konzepte zunehmend umstritten sind, könnte sich langfristig als Belastung erweisen. Hinzu kommt die Kritik, dass Forderungen nach Verstaatlichungen und Enteignungen bereits heute erhebliche Verunsicherung auf dem Wohnungsmarkt erzeugen und Investitionen erschweren.

Der eigentliche gesellschaftliche Umbruch besteht daher möglicherweise nicht allein in den Wahlergebnissen. Er besteht vielmehr darin, dass politische Entwicklungen, die vor wenigen Jahrzehnten noch als undenkbar galten, heute vielfach als selbstverständlich hingenommen werden. Genau deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Denn nicht jeder tiefgreifende Wandel wird sofort als solcher erkannt. Manche Veränderungen werden erst dann sichtbar, wenn sie bereits Realität geworden sind.

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Die Funktionäre der CDU haben aktuell ein Glaubwürdigkeitsproblem

Die Präsidentin des Bundestages Julia Klöckner hielt eine Rede am 8.4.2025 im Pau-Löbe-Haus im Rahmen einer Ausstellungseröffnung über die Verbrechen der ehemaligen SED-Regierung gegenüber Bürgern, die nichts anderes wollten, als in Freiheit zu leben und ihr Land verlassen zu können, indem sie sich nicht frei fühlten

In der Ausstellung wurden ca. 100 Fotografien von Betroffenen gezeigt, die von dem SED-Regime ins Gefängnis geworfen wurden und dort schlimme, menschenverachtende Behandlungen über sich ergehen lassen mussten. In der Sendung des Deutschlandfunks kamen neben einem Interview mit Frau Klöckner auch einige Betroffene des damaligen Unrechtsregimes zu Wort. Ein Betroffener schlug vor, dass eine Verherrlichung der damaligen DDR-Zeit unter dem SED – Regime verboten werden müsste. Das Leugnen der kommunistischen Schreckensherrschaft sollte rechtlich genau so behandelt werden, wie die sogenannte Holocaust-Lüge.

Frau Klöckner brachte zum Ausdruck, dass die Bürger der damaligen DDR teilweise unter Einsatz ihres Lebens für die Demokratie und die Menschenwürde gekämpft haben.

Allerdings kommen vielen Bürgern, die jetzt diese wohlfeilen Worte einer CDU-Politikerin hören doch einige Fragen, die auf die Unglaubwürdigkeit und auch auf die Verlogenheit der CDU hinweisen. Wenn es der CDU wirklich darum gehen würde, auf das Unrecht der damaligen SED-Herrschaft in der ehemaligen DDR aufmerksam zu machen, dann fragt sich, wie diese Partei es rechtfertigen kann, mit den Nachfolgern dieses verbrecherischen Systems jetzt gemeinsame Sache zu machen. In aller Deutlichkeit muss daran erinnert werden, dass die Partei „Die Linke“ die Nachfolgerin der SED ist. Wenn man die Ausführungen der Frau Klöckner ernst nehmen sollte, dann war es doch eine politische Perversion, ausgerechnet einen ihrer wichtigsten Repräsentanten, nämlich Gregor Gysi, die Eröffnungsrede zum 21. Bundestag halten zu lassen. Und das auch noch durch einen miesen Trick, indem man den eigentlichen Alterspräsidenten, einem ehemaligen CDU-Mitglied aus Hessen, daran hinderte, die Funktion des Alterspräsidenten auszuüben.

Es ist doch kein Wunder, dass sich immer mehr Bürger von dieser Partei abwenden und sich an der Partei orientieren, die die alten Werte der CDU wieder aufgegriffen hat und zielstrebig zum Maßstab der neuen Politik machen will. Eine Partei, deren Spitzenfunktionäre die Wähler täuschen und belügen können nicht erwarten, dass man ihr Vertrauen entgegenbringt.

Die Unglaubwürdigkeit der CDU ist jetzt bei dem neuen Koalitionsvertrag erneut unter Beweis gestellt worden. In dieser Vereinbarung ist von der CDU nichts zu erkennen, man hat den Eindruck, als wenn es sich lediglich um die Vereinbarung der sogenannten Ampel handelt, das geringfügig redaktionell unter Einfügungen von Anglizismen geändert wurde. Wieder sollte den Wählern Sand in die Augen gestreut werden, indem man ihnen vorgaukelte, dass jetzt eine neue Politik unter Führung der CDU erfolgen wird.

Das gesamte Papier mit seinen 144 Seiten – wir haben es bereits gelesen – ist eine Ansammlung von Wünschen, die jedoch auf der Basis einer stringenten SPD-Politik zusammengestellt wurde. So haben inzwischen auch der Vorsitzende der SPD, Klingbeil und der unglaubwürdige Friedrich Merz darauf hingewiesen, dass alles unter dem finanziellen Vorbehalt stehe und nur dann umgesetzt wird, wenn die entsprechende Gegenfinanzierung vorhanden sei. Merken diese Politiker nicht selbst, wie sie ihre Mitbürger mit solchem Formulieren veralbern?

Aber eines ist sicher, der Wähler wird zu gegebener Zeit sein Kreuz auf dem Stimmzettel der Partei zuordnen, von der er erwartet nicht erneut belogen zu werden.

Wenn die CDU behauptet, die bürgerliche Mitte „könne Demokratie“, dann setzt sie nur das fort, was sie schon immer kann, sie täuscht die Wähler.