Weitestgehend von der Öffentlichkeit unbemerkt vollzieht sich in Deutschland eine Entwicklung zur Demontage der Demokratie. Natürlich wird dies als rechtsstaatliche Notwendigkeit dargestellt, denn schließlich scheint es Aufgabe der „wehrhaften Demokratie“ zu sein, missliebige politische Auffassungen möglichst im Keim zu ersticken. Das Prinzip ist ganz einfach: Man erklärt über die Dienststellen des Inlandsgeheimdienstes diejenigen, die man aus dem politischen Geschehen ausschließen will, zu verfassungswidrigen Einrichtungen und Personen. Diese Parteiauffassung – denn nichts anderes ist es, wenn eine den Innenministern nachgeordnete Behörde etwas verlautbart – wird immer wieder über die öffentlich‑rechtlichen Medien transportiert, die bei jeder Information über die missliebige Partei den Zusatz anfügen: „… die als gesichert rechtsextreme Partei angesehen wird.“ In der Hoffnung, dass die Bürger glauben, dass dies tatsächlich so sei. Denn welcher Bürger kann unterscheiden, ob eine Meinung einer Behörde rechtlichen Bestand hat oder nicht?
Eine Überprüfung durch das einzige Gericht, das hier für Klarheit sorgen könnte – das Bundesverfassungsgericht – wird schlicht und einfach nicht eingeschaltet. So kann man immer wieder etwas unterhalb dieser rechtlich verbindlichen Schwelle erklären. Allein diese Methode ist verwerflich, weil sie sich einen rechtsstaatlichen Anstrich verleiht, aber die Demokratie regelrecht aushebelt.
Mehr zufällig – übrigens über den Kontrafunk, der nicht in den politischen Mainstream eingebunden ist – erfuhren wir davon, dass in Niedersachsen vier AfD‑Politiker, die für kommunale Spitzenämter kandidieren wollten, von den jeweiligen Wahlprüfungsausschüssen nicht zur Wahl zugelassen wurden. Die sich selbst demokratisch nennenden Parteien, die sich zu einem kartellähnlichen Block gegen die AfD zusammengeschlossen haben, haben somit die elegante Möglichkeit, missliebige Politiker erst gar nicht zur Wahl zuzulassen. Das nennt man dann „lupenreine Demokratie“ und ist offensichtlich die „Wehrhaftigkeit“, die unsere Demokratie schützen soll.
Im Einzelnen handelt es sich um folgende Fälle, von denen man in der Öffentlichkeit so gut wie nichts hören konnte:
- Stephan Bothe (AfD) – Lüneburg, Kandidat für das Amt des Landrats. Die Blockparteien zweifelten an seiner „jederzeitigen Verfassungstreue“ und meinten damit wohl, dass seine Politik eine Gefahr für die Machterhaltung der etablierten Parteien sein könnte. Natürlich gibt es eine „rechtsstaatliche“ Begründung: Das Landesamt für Verfassungsschutz – also der Inlandsgeheimdienst, der politisch Andersdenkende überwacht – hat die Partei des Kandidaten als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft.
- Jessica Schülke (AfD) – Hannover, Kandidatin für das Amt der Oberbürgermeisterin. Auch hier wurde in gleicher Weise verfahren. Der Wahlausschuss hat das Innenministerium um Prüfung gebeten. Die Entscheidung steht noch aus, man darf aber annehmen, dass wieder „wehrhaft“ entschieden wird.
- Thorsten Moriße (AfD) – Wilhelmshaven, Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters. Auch hier werden Zweifel an der „jederzeitigen Verfassungstreue“ geäußert. Aktuell erfolgt eine Prüfung durch die Kreiswahlleitung und das Innenministerium. Die Kommunalaufsicht prüft Social‑Media‑Beiträge und Reden des Kandidaten. Die Entscheidung soll am 23. Juli fallen. Das bedeutet: Eine staatliche Behörde entscheidet nach Kontrolle dessen, was der Kandidat geschrieben und gesagt hat, ob sie ihn für geeignet hält, kandidieren zu dürfen. Eine Verwaltung maßt sich hier richterliche Funktionen an und meint, selbst Recht setzen zu können.
- Adrian Maxhuni (AfD) – Bersenbrück, Kandidat für das Amt des Samtgemeindebürgermeisters. Auch hier meint die Verwaltungsbürokratie und die etablierten Parteien „Anhaltspunkte für fehlende Verfassungstreue“ zu sehen. Die Prüfung erfolgt durch den Landkreis Osnabrück.
In allen Fällen entscheidet die Exekutive, ob die Legislative souverän und unbeeinflusst tätig sein darf. Das ist eine bemerkenswerte Veränderung in der Machtverschiebung unseres demokratischen Systems, das offensichtlich immer mehr abgeschafft werden soll.
Aktuell ist es wichtig, dass die Bürger über solche Sachverhalte informiert werden – die öffentlichen Medien tun dies nicht. Wenn die Entwicklung so weiter verläuft, wird die Demokratie in Deutschland bald ein Relikt der Vergangenheit sein. Die einzige Möglichkeit, sich dagegen zu wehren, scheint noch der Stimmzettel zu sein. Nur wenn die politische Alternative die absolute Mehrheit erhält, kann eine Beendigung der Demontage dieses Demokratiesystems erfolgen.


